Sport : Den Glauben an sich verloren

Wie Maria Scharapowa bei den US Open scheiterte

Petra Philippsen

New York - Blicke können weit mehr als Worte ausdrücken – und die von Maria Scharapowa ließen keinen Raum für Interpretationen. Trotzig wie ein Kind, das seinen Willen nicht bekommen hat, schaute sie drein, wütend und doch mit Verzweiflung gemischt. Ihren Augen sah man an, dass sie es fast als Majestätsbeleidigung empfand, was ihr Agnieszka Radwanska in der dritten Runde der US Open angetan hatte. Mit 4:6, 6:1 und 2:6 unterlag die Titelverteidigerin der Polin und flog aus dem Turnier.

Die Russin, die nicht selten divenhaft über den Platz stolziert, ist es normalerweise gewohnt, dass besonders die schlechter platzierten Spielerinnen kollektiv in Ehrfurcht erstarren, wenn sie ihr gegenüberstehen. Radwanska hatte sich an dieses ungeschriebene Gesetz jedoch nicht gehalten. Die Nummer 32 der Rangliste spielte mutig und schlug die Bälle so wuchtig über das Netz, wie es Scharapowa sonst selbst zu tun pflegt. Mehr noch: Die Polin hatte sich eine besondere Taktik zurechtgelegt. Immer wenn Scharapowa über den zweiten Aufschlag gehen musste, stellte sich Radwanska so weit ins Feld, dass sie fast schon die Aufschlaglinie berührte. Sie trippelte, tänzelte fast aufreizend frech in Erwartung des Returns hin und her und trieb ihre Gegnerin damit zur Weißglut. Der unterliefen auf diese Weise zwölf Doppelfehler, die Scharapowa allerdings später allein auf den böigen Wind schob. „Was die Gegnerin macht, interessiert mich nicht“, sagte sie bissig.

Die Weltranglistenzweite schien sich nach dem Verlust des ersten Satzes zunächst wieder gefangen zu haben. Acht Spiele in Folge gelangen Scharapowa, sogar noch das frühe Break im dritten Durchgang. Doch der „Glaube an mich selbst“ sei nicht mehr zurückgekommen, sagte die Russin hinterher. Sie ließ die Gegnerin, nicht zuletzt durch ihre eklatante Fehlerquote, wieder ins Spiel kommen. Die gestrengen Augen von Vater Juri Scharapow hatten nach dem erneuten Break zum 2:5 genug gesehen. Er verließ demonstrativ den Platz. Seine Tochter stritt diesen Vorgang später jedoch ab. Während sich Radwanska wie nach dem „Gewinn des 100-Millionen-Dollar-Lotterie-Jackpots“ fühlte, versuchte Scharapowa die schmerzliche Niederlage zu analysieren: „Es gibt keine Entschuldigungen, es war einfach nicht mein Tag. Und mein Jahr ist es definitiv auch nicht.“ Petra Philippsen

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