Sport : Den großen Sieg um Minuten verpasst

Hertha BSC verliert im Olympiastadion nach einer 1:0-Führung noch 1:2 gegen Werder Bremen und fällt in der Tabelle zurück

Michael Rosentritt

Berlin - Zur Pause stand es wie immer. Sieben Mal hatte Hertha BSC bisher in dieser Bundesligasaison gespielt, sieben Mal stand es unentschieden. Nur beim 1:1 gegen den MSV Duisburg waren überhaupt Tore gefallen. Auch gestern, im Spitzenspiel der Bundesliga gegen Werder Bremen, hatte in den ersten 45 Minuten keine Mannschaft ins Tor getroffen. Am Ende einer dramatischen zweiten Hälfte verlor Hertha schließlich 1:2, weil die Berliner in den letzten fünf Minuten noch zwei Tore kassierten. Es war die erste Heimniederlage für Hertha.

Schon in der ersten Halbzeit hatte Bremen die besseren Gelegenheiten, einen Treffer zu erzielen. Hertha begann nervös, in der ersten Viertelstunde schafften es die Berliner nicht, Struktur in ihr Spiel zu bekommen. Stattdessen setzten sie sich im Zweikampf überhart ein, nach acht Minuten hatten Josip Simunic und Pal Dardai bereits die Gelbe Karte gesehen. Dardai kam erneut als zweiter defensiver Mittelfeldspieler neben Niko Kovac zum Einsatz. Auch die Bremer gingen zunächst in den Zweikämpfen hart zur Sache. Wenn Jurica Vranjes aber gerade einmal nicht Marcelinho foulte, kombinierten die Gästen schneller und zielstrebiger als Hertha. Tim Borowski scheiterte mit einem Direktschuss am glänzend reagierenden Christian Fiedler, kurz darauf traf Christian Schulz nach einer Hereingabe von Nelson Valdez den Ball nicht richtig. Valdez, der für den verletzten Miroslav Klose in die Mannschaft gekommen war, überlief immer wieder Herthas Innenverteidiger Alexander Madlung und initiierte so gefährliche Angriffe der Gäste, wenn er nicht selbst wie nach einem schönen Zuspiel von Johan Micoud an Fiedler scheiterte.

Doch auch Hertha hätte in Führung gehen können, als Marcelinho nach zwanzig Minuten eine Flanke von Malik Fathi freistehend aus fünf Metern über das Tor köpfte. Zudem drosch Gilberto einen Nachschuss aus dreizehn Metern über das Tor. Dennoch waren die Bremer vor den 64 621 Zuschauern im Olympiastadion überlegen, die dieses Mal ohne Staus an den Eingängen ins Stadion gekommen waren.

Nach der Halbzeitpause sahen sie ein verändertes Spiel. Yildiray Bastürk spielte vom linken Flügel aus den freistehenden Marko Pantelic an, der am Donnerstag beim 3:1 im Uefa-Cup gegen Apoel Nikosia noch gesperrt war. In der ersten Halbzeit gestern konnte er mit den vielen hohen Bällen in die Spitze nichts anfangen. Doch in dieser Szene machte der Torjäger alles richtig, zumindest fast: Er lupfte den Ball an den Pfosten. Dardai traf im Nachschuss zum 1:0. Die Bremer versuchten weiter dagegen zu halten und hatten gleich nach dem Gegentor durch Valdez und Ivan Klasnic auch Chancen zum Ausgleich, aber Hertha dominierte jetzt das Spiel, die Berliner hatten die besseren Torchancen.

Nach einer Stunde zielte Marcelinho über das Tor, beim nächsten Angriff fiel Bastürk nach einem Zweikampf mit Bremens Torwart Andreas Reinke im Strafraum. Schiedsrichter Wagner ließ weiterspielen, anstatt auf Elfmeter zu entscheiden. Das Tempo wurde höher, und das Spiel des Vierten gegen den Dritten der Bundesliga noch unterhaltsamer. Valdez konnte weiter nicht den starken Fiedler nicht bezwingen, Hertha bekam nun den Platz, mit dem seine starken Konterspieler Marcelinho und Bastürk viel anzufangen wissen. Immer wieder eröffneten sich gute Möglichkeiten, das Spiel zu entscheiden. Pantelic erzielte einen Treffer, der wegen Abseits nicht gegeben wurde – auch diese Entscheidung war stark umstritten.

Die besten Torchancen hatte nach Herthas schnellen Kontern aber Dardai, der zweimal knapp die Gelegenheit vergab, seinen zweiten Treffer zu erzielen. Nach dieser Phase, in der die Berliner das Spiel hätten entscheiden können, erhöhte Bremen noch einmal den Druck. Zehn Minuten vor dem Ende verstärkte Herthas Trainer Falko Götz die Defensive, er brachte Christopher Samba für Pantelic.

Doch Bremen nutzte im Gegensatz zu den 85 Spielminuten vorher die Chancen. Tim Borowski traf mit einem Volleyschuss nach einer zu kurzen Abwehr zum Ausgleich, 45 Stunden nach dem Uefa-Cup-Spiel schien Hertha die Kraft auszugehen. Eine Minute vor dem Ende war wieder einmal Valdez frei und traf zum 2:1 für die Gäste.

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