Sport : Den Kopf der Liga schützen

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Sidney Crosby ist zurück. Mit zwei Toren zum Comeback hat der Star des Eishockeys in Pittsburgh demonstriert, dass bei ihm alles wieder stimmt. Nach zwei Gehirnerschütterungen und elf Monaten Pause war das nicht selbstverständlich. Die NHL, größte Eishockey-Liga der Welt, hat ihren größten Star nicht verloren. Es wäre eine Katastrophe gewesen. Denn keiner ist mit seinem Zahnpastalächeln und smarter Erscheinung ein derart großer Sympathieträger wie der 24 Jahre junge Kanadier.

Gehirnerschütterungen sind das Verletzungsproblem in der NHL. Eric Lindros erlitt acht davon in seiner Karriere und wurde daher nie zu dem Star, der er hätte werden können. Sein ebenfalls talentierter Bruder Brett musste die Karriere nach mehreren Gehirnerschütterungen sogar mit 20 Jahren beenden. Im Fall Crosby soll der NHL nun derartiges nicht passieren. Er hat sogar zu einer Regeländerung geführt: Checks gegen den Kopf werden härter geahndet. Übeltäter können bei der Diagnose Gehirnerschütterung nachträglich belangt werden. Damit aber ist das eigentliche Problem der NHL nicht besiegt. Denn Eishockey wird dort gewaltiger inszeniert als im Rest der Welt. Mikrofone an den Banden übertragen jeden Minicheck in der Lautstärke eines Erdbebens in Stadien und Fernseher. Auch brutale Checks sind Zuschauerunterhaltung in Nordamerika, sie gehören dort zum Eishockey-Entertainment wie zünftige Keilereien. Erst wenn die NHL auf diese Dinge konsequent verzichtet, kann sie besserer Hoffnung sein, noch länger Freude an einem Sidney Crosby zu haben.

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