Sport : Den Meister geärgert

Hannover 96 fehlt beim 1:1 gegen Bayern München eine Minute zur Sensation

Frank Schacht[Hannover]

Thomas Brdaric grinste ziemlich lange. Er wurde zu seinem Führungstor gegen den FC Bayern München befragt, einem Treffer, der viel Aufregung ausgelöst hatte. Und dann sagte der Stürmer von Hannover 96: „Ich habe nicht geschoben. Ich habe sogar geschubst. Aber so was kann man doch nicht abpfeifen.“ Brdaric hatte sich rustikal gegen den Argentinier Martin Demichelis durchgesetzt, und sein Kopfballtor hätte fast zum 1:0-Sieg gegen den Tabellenführer der Fußball- Bundesliga gereicht. Bis zur 89. Minute schien es so. Da rettete Michael Ballack mit seinem Kopfballtor den Bayern zumindest einen Punkt. 1:1, eine Minute später war das Spiel zu Ende.

Für die Bayern war dieser späte Treffer wohl nicht mehr als gerecht. Sie hatten sich heftig über Brdarics regelwidrigen Körpereinsatz aufgeregt. Doch die Schubserei hat kaum einen der insgesamt 49 000 Zuschauer in Hannover gestört. Der Jubel über das Tor war riesengroß.

Brdaric gehört immer noch zu den besonderen Darstellern der Bundesliga. Er hofft weiter auf die WM-Teilnahme, aber er fällt auch durch Sprüche auf, die nicht jedem gefallen. Und gestern provozierte Brdaric wieder. „Wer ein Tor wie mein 1:0 verhindern will, muss als Gegenspieler schon ein wenig cleverer sein“, verkündete er.

Der Satz zeigt aber auch, wie selbstbewusst Brdaric derzeit auftritt. Und mit ihm seine Teamkollegen. „Wir wollten heute unbedingt gewinnen. Leider haben wir einen Moment lang nicht aufgepasst“, sagte zum Beispiel Vahid Hashemian, der seit der Entlassung von Trainer Ewald Lienen wieder stark spielt. Lienens Nachfolger Peter Neururer ist seit seinem Amtsantritt vor zehn Spieltagen in der Bundesliga immer noch ungeschlagen.

Vor dem Spiel gegen die Bayern hatte Neururer gegen den angeblich hochnäsigen Rekordmeister („Die gehen mir auf den Senkel“) herzhaft gepöbelt. „Klar, ich habe mich weit aus dem Fenster gelehnt. Aber jetzt haben wir einen Punkt. Und mit dem kann ich gut leben“, sagte der 50 Jahre alte Trainer nach dem 1:1. „Der Peter hat uns wieder Selbstvertrauen eingeredet“, sagte Hannovers Routinier Michael Tarnat.

Als die Gastgeber gestern eine Ehrenrunde drehten, blieben die Bayern in den Katakomben ungewöhnlich ruhig. Nur Manager Uli Hoeneß sagte etwas abschätzig: „Hannover hat wirklich eine ordentliche Mannschaft. Aber auf diesem Platz kannst du kein Fußball spielen.“ Die Mehrheit der Bayern-Profis verweigerte Stellungnahmen zum Spiel. Also zog Hannover die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. „Wir sind drei Wochen lang heiß geredet worden. Und so sind wir auch aufgetreten", sagte Hannovers Nationalspieler Per Mertesacker, der gestern nach einer zweimonatigen Verletzungspause ein gelungenes Comeback feierte. Mertesacker hatte lange überlegt, ob er nach seinem Bänderriss schon wieder auflaufen soll. In solchen Fällen kann man in seinen eigenen Körpern hineinhorchen, man kann den Mannschaftsarzt fragen oder man wendet sich an Peter Neururer. Der Trainer jedenfalls zögerte nicht lange und gab Mertesacker das Trikot mit der Nummer 29.

Irgendjemand konfrontierte Hannovers erfolgreichen Trainer gestern natürlich auch wieder mit seinem Spitznamen „Peter, der Große“. Neururer wehrte nicht ab. Er lachte.

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