Sport : Den Puck ins Tor gearbeitet

Deutsches Eishockeyteam mit starker Schlussphase

Claus Vetter[Hannover]

Japaner gelten als höfliche Menschen. Kanadier können aber auch sehr nett sein. Besonders, wenn sie in Japan leben und arbeiten. Mark Mahon bewies am späten Donnerstagabend in der Tui-Arena in Hannover, dass er nach zwei Jahren als Eishockey-Nationaltrainer auch vom Kopf her in Japan angekommen ist. Anstatt sich über eine unglückliche 4:5-Niederlage seiner Mannschaft gegen Deutschland zu ärgern, bedankte sich Mahon erst einmal bei den Gastgebern für deren Einladung: „Dass wir hier beim Deutschland-Cup mitspielen dürfen, ist sehr nett vom Deutschen Eishockey-Bund.“ Sehr nett waren auch die Japaner, schließlich hatten sie eine 4:3- Führung 102 Sekunden vor der Schlusssirene noch verschenkt – an Daniel Kreutzer. Der Düsseldorfer traf erst zum 4:4 und 22 Sekunden später noch zum 5:4 für den deutschen Sieg im ersten Turnierspiel von Hannover.

Der ehemalige Bundestrainer Hans Zach hatte einmal gesagt, dass der Kreutzer den Puck im Notfall auch ins Tor „arbeitet“, was er damit unter Beweis stellte. Nach Vorlagen des Berliners Sven Felski hatte Kreutzer mit dem finalen Kraftakt eine Blamage gegen die zweitklassigen Asiaten verhindert und Bundestrainer Uwe Krupp um die Erkenntnis bereichert, „dass die Mannschaft am Ende zurzeit immer einen Weg findet, um noch zu gewinnen“. Gegen Kanada spielten die Deutschen zuvor in Hamburg 4:4, ebenfalls nach zwei Toren in der vorletzten Spielminute.

Die Eishockey-Nationalmannschaft ist nunmehr seit neun Spielen ungeschlagen. Das ist eine Bilanz, die sich schön anhört, aber nicht nur auf schönem Wege zustande gekommen ist. Kreutzers Auftritt gegen Japan ist symptomatisch für ihren derzeitigen Stand: es wird mehr gekämpft als gespielt. In ihrem Jahr in der Zweitklassigkeit konnten die Deutschen schön spielen, weil sie ihren Gegnern läuferisch und technisch überlegen waren. Aber nun werden viel Einsatz, weniger Fehler im eigenen Drittel und mehr Konzentration nötig sein, um bei der A-WM in Russland 2007 bestehen zu können. „Wir haben viele Spieler dabei, die noch nie bei einer A-WM gespielt haben, die wissen noch nicht, was sie da erwartet“, sagte Daniel Kreutzer. Mit 27 Jahren ist der Mannschaftskapitän der Düsseldorfer EG schon ein alter Spieler im jungen deutschen Team, der, wie er sagt, „die Rolle als Anführer auch annimmt“.

Beim gestrigen Training in der Arena auf dem Hannoveraner Messegelände wollten die Spieler nicht mehr an das Spiel gegen Japan denken. „Nach so einem Sieg haben wir keinen Grund zur Freude“, sagte Stürmer Sven Felski. Die Asiaten, gegen die Deutschland bei der B-WM im April noch mühelos 4:0 gewonnen hatte, sind nur Mitläufer im internationalen Eishockey, haben letztmals 1975 gegen ein deutsches Team gewonnen. „Die meisten haben doch gedacht, wir kassieren hier gegen Deutschland zehn Tore“, sagte Mahon gar. Daher sei er zufrieden mit der knappen Niederlage. Derart beglückt würden sich die viel höher einzustufenden Schweizer, heute Gegner von Krupps Team beim Deutschland-Cup (18 Uhr, live auf Premiere), nach einer Niederlage gegen den Gastgeber bestimmt nicht äußern. „Das wird ein echter Test für uns“, sagte Kreutzer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar