Sport : Den Schmerz besiegt

Mönchengladbach schlägt Frankfurt 2:0 und bringt dem Aufsteiger die erste Niederlage der Saison bei.

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Borussia stoppt Eintracht. Zambrano wird von Xhaka zu Boden gestreckt. Foto: dpa
Borussia stoppt Eintracht. Zambrano wird von Xhaka zu Boden gestreckt. Foto: dpaFoto: dpa

Mönchengladbach - Lucien Favre war so angetan vom Spiel seiner Mannschaft, dass er nicht einmal merkte, wie ihm fünf Minuten vor der Pause seine Spickzettel aus der Jackentasche rutschten. Erst auf Hinweis der Gladbacher Reservekicker kehrte Borussias Cheftrainer noch einmal in seine Coaching Zone zurück, klaubte die Blätter vom Rasen und steckte sie wieder ein. Wirklich gebraucht hat sie der Schweizer bei seiner Halbzeitansprache im Duell mit Aufsteiger Frankfurt nicht. Im Gegensatz zu ihren letzten Auftritten machte seine Mannschaft gegen den Tabellenzweiten recht wenig falsch, wurde im passenden Moment zudem vom Glück geküsst und kam so zu einem recht ungefährdeten 2:0 (2:0)-Erfolg.

Nach sieben Pflichtspielen ohne Sieg war es der erste Sieg für die Gladbacher und die richtige Antwort auf die schmerzhafte Vorwoche, als sich das einstige Bollwerk der Liga in Dortmund (0:5) und gegen Fenerbahce Istanbul (2:4) reichlich Gegentreffer einfing. Beim Europa-League-Spiel gegen die Türken bekamen sich am Donnerstagabend zudem Torhüter Marc-André ter Stegen und Neuzugang Granit Xhaka in die Wolle. „Die Mannschaft zeigt Emotionen, das ist wichtig“, fiel Sportdirektor Max Eberl dazu ein – ehe die Gefühle gegen Frankfurt dann in die richtige Richtung ausschlugen.

Zu Hilfe kam ihnen dabei nach acht Minuten Olivier Occéan. In der eigenen Hälfte fabrizierte der Angreifer der Frankfurter einen schlimmen Fehlpass vor die Füße von Juan Arango. Gladbachs schussgewaltiger Venezolaner nahm die Einladung an und drosch den Ball aus 30 Metern in den linkeren oberen Winkel des Gästetores, wo er von der Unterkante der Latte ins Netz sprang. „Boah“, sagte Favre nach dem Spiel nur. Der Borussia-Park bebte, doch zehn Minuten später missachtete Schlussmann ter Stegen („Wir müssen jetzt auf das Wichtige achten, und das ist die Defensive“) den eigenen Ratschlag, verschätzte sich bei einer hohen Flanke. Und erneut bedurfte Gladbach der Unterstützung von Occéan – diesmal, weil dem kanadischen Nationalspieler im entscheidenden Moment der Ball versprang.

Borussias Führung hielt und wuchs kurz darauf noch an. Aus zentraler Mittelfeldsposition passte der Norweger Havard Nordtveit auf den Niederländer Luuk de Jong, der Frankfurts peruanischem Innenverteidiger Carlos Zambrano enteilte und zum 2:0 einschoss. Die Hände in die Taschen seiner schwarzen Windjacke geschoben, marschierte Lucien Favre 20 Minuten später entspannt in die Halbzeitpause, musste nach Wiederbeginn aber miterleben, wie der Neuling seine Ballbesitzquote kontinuierlich steigerte.

Gladbach, tief, aber kompakt in der eigenen Hälfte aufgestellt, hätte die Partie bei einem Konter dafür endgültig entscheiden können, Thorben Marx aber spielte den letzten Pass zu ungenau. Nach einer knappen Stunde versuchte Eintracht-Coach Armin Veh, die erste Saisonniederlage seines Teams mit einem Wechsel zu verhindern: Für Mittelfeldkraft Takashi Inui brachte er den früheren Gladbacher Karim Matmour ins Spiel.

Der Algerier fiel zehn Minuten nach seiner Einwechslung immerhin mit einem Schuss aus halblinker Position auf, den ter Stegen aber mühelos parieren konnte. Und als in der 77. Minute auch noch Borussias zuverlässiger Helfer Occéan aus neun Metern die beste Frankfurter Chance vergab, durfte Zettel-Mann Lucien Favre endgültig aufatmen. Gladbach hatte nicht nur den Sturz in Richtung Tabellenkeller gestoppt, sondern auch die Bayern-Jäger aus Frankfurt. Andreas Morbach

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