Sport : Den Sieg eingewechselt

HSV-Trainer Jara bringt gegen Rostock nach dem 0:1 Romeo und Reinhardt – und die schaffen das 2:1

Karsten Doneck

Hamburg. Vor der Nordkurve der AOL-Arena verteilten ein paar junge Burschen Zettel. „Schreit unsere Jungs zum Sieg!“, stand darauf geschrieben. Das war schon mal Ausdruck jener Sorge, die den Hamburger SV derzeit sportlich bedrückt. Zweifellos erfüllten später die Fans ihre akustische Pflicht, die Mannschaft kam dem Appell erst sehr spät, aber erfolgreich nach. Gegen Hansa Rostock glückte dem HSV nach 0:1-Rückstand mit 2:1 (0:1) der erste Saisonsieg im sechsten Spiel, der letzte Tabellenplatz wurde an den 1. FC Köln abgetreten. Als „wahnsinnigen Kraftakt“ wertete HSV-Präsident Bernd Hoffmann den Erfolg.

Es war ein verrücktes Fußballspiel. Mit vielen Elementen, die den 90 Spielminuten höchsten Unterhaltungswert verliehen. „Ein Emotionsspiel“, nannte das HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Vor allem in der zweiten Halbzeit überschlugen sich die Ereignisse. Erst sah der kurz zuvor verwarnte HSV-Libero Nico Jan Hoogma bei der rüden Verhinderung eines Rostocker Konters Gelb-Rot. Dezimiert, 0:1 in Rückstand durch das frühe Tor von Martin Max (sein siebenter Saisontreffer) – da glaubte niemand mehr so recht daran, dass der HSV noch mal auf die Beine kommen würde.

Doch da griff Trainer Kurt Jara ein. Er hatte zur Pause bereits Bernardo Romeo eingewechselt. Obwohl der HSV in Unterzahl war, schaffte der Argentinier nach Vorarbeit von Sergej Barbarez den Ausgleich. Jara wechselte kurz vor Schluss auch noch Bastian Reinhardt ein, einen Abwehrspieler. Das sah so aus, als wolle er den einen Punkt retten. Es kam anders. Gerade mal eine halbe Minute auf dem Feld verwandelte Reinhardt per Kopf einen Freistoß von Mahdavikia zum 2:1-Siegtreffer (84.).

„Wir haben nach der Halbzeit drei hundertprozentige Chancen gehabt, da müssen wir das Ding klarmachen“, haderte Rostocks Trainer Armin Veh. Es rächte sich da vielleicht auch, dass die Rostocker nach dem Führungstor von Max nur noch auf Ergebnisverwaltung aus waren. Der HSV drückte und drängte erfolglos. Der wiedergenesene Mehdi Mahdavikia verlieh dem ehedem lahmenden Angriffsspiel der Hamburger viel Schwung, die Durchschlagskraft erhöhte sich aber nicht unbedingt. Dennoch herrschte beim HSV hinterher große Erleichterung. „Nach einem 0:1-Rückstand mit zehn Mann ein solches Spiel noch umzubiegen, das ist wirklich toll“, sagte Bernd Hoffmann. Und Tomas Ujfalusi, dessen Missverständnis mit Towart Martin Pieckenhagen maßgeblich zum 0:1 geführt hatte, ergänzte: „Selbst mit zehn Mann wollten wir immer noch ein Tor machen.“

Und auch HSV-Trainer Kurt Jara atmete hörbar auf. Beim Platzverweis gegen Hoogma hatte der Österreicher seine Bank noch mit einem wütenden Fußtritt bedacht. „Da dachte ich, was haben wir bloß verbrochen“, sagte Jara später. Und er stellte fest: „Wir sind in Unterzahl das Risiko eingegangen, notfalls auch noch das zweite Gegentor zu kassieren. Wenn das passiert wäre, bin ich der Depp.“ Es passierte das Gegenteil – und deshalb erntete Jara nachher auch nur Lob. Zum Beispiel von Dietmar Beiersdorfer. Der HSV-Sportchef lobte vor allem die Einwechslungen der beiden Torschützen: „Da sieht man, unser Trainer kennt seine Spieler.“ Romeo und Reinhardt eben – Jara hat den Sieg eingewechselt.

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