Sport : Den Sieg verschlammt

Der 1. FC Union verspielt eine 1:0-Führung gegen Mainz

Karsten Doneck

Berlin. Der Boden war morastig, auf dem Rasen standen an manchen Stellen Pfützen. Gummistiefel wären da genau das Richtige gewesen. Doch mit derart klobigem Schuhwerk lässt sich nun mal schlecht Fußball spielen, selbst wenn sich zwei Mannschaften angesichts der widrigen Platzverhältnisse ganz aufs Kämpferische verlegen. „Wir haben einiges in die Waagschale geworfen“, sagte später Steffen Baumgart, der Mannschaftskapitän. Aber einiges – das ist für den 1. FC Union immer noch zu wenig, um seine Heimspiele in der 2. Fußball-Bundesliga zu gewinnen. 1:1 (1:0) hieß es bei strömendem Regen zum Rückrundenstart vor 5985 Zuschauern gegen Mainz 05. Union verbesserte dadurch seine bedrohliche Lage im Abstiegskampf nicht im Geringsten. „Ich empfinde keine richtige Freude, aber auch keine Trauer“, beurteilte Baumgart das Endresultat.

„Ich habe Fortschritte gesehen bei uns, gerade von der taktischen Ordnung her waren wir besser als zuletzt“, sagte Unions Spielmacher Thomas Sobotzik. Das mag stimmen, aber wenn selbst derlei kleine Steigerungen nicht mehr zum Sieg reichen, dann wird sich die Situation in Fußball-Köpenick bis Saisonende kaum mehr entspannen. Im nächsten Spiel am 9. Februar (Montag) bei Energie Cottbus wird auch noch Sobotzik fehlen. Er sah gegen Mainz die fünfte Gelbe Karte.

Union verlegte sich an der Alten Försterei von Anfang an aufs Kontern und ging früh durch einen Freistoß von Florian Bruns, der vom Mainzer Bodog unhaltbar abgefälscht wurde, in Führung. Aber die Gastgeber begingen auch den Fehler, sich vom mit Fortdauer des Spiels immer offensiver werdenden Kontrahenten zu tief in die Defensive drängen zu lassen. Zeitweise brauchten die Mainzer bei ihrem Drang in Richtung gegnerisches Tor keinerlei Gegenverkehr mehr zu fürchten.

Mirko Votava, Unions Trainer, musste sich wohl deshalb vom Tribünenpublikum gute Ratschläge anhören. „Wir woll’n gewinnen!“, brüllten da einige im Chor. Votava reagierte gereizt. „Ja, was denken sich diese Leute denn? Ich kapiere die nicht. Meinen die denn, ich will hier verlieren?“, klagte Votava und zahlte es den Kritikern heim: „Das können doch nur Hohlköpfe sein“, schimpfte er.

Vielleicht wäre sogar alles gut gegangen für Union, hätte nicht der Mainzer Trainer Jürgen Klopp mit einer kuriosen Auswechslung mitten ins Glück gegriffen. Da hatte Klopp nach 65 Minuten Mimoun Azaouagh, den Schrecken mancher Radioreporter, eingewechselt. Eine Viertelstunde später musste Azaouagh wieder raus. „Ihm fehlt die Wettkampfhärte. Auf diese Art Fußball, die heute bei diesen Bodenverhältnissen gefragt war, konnte er sich nicht einstellen“, rechtfertigte sich Klopp. Derlei Kurzeinsätze gelten in Fußballerkreisen gemeinhin als Höchststrafe, für die Mainzer war es ein Segen. Azaouagh ging, als den Gästen gerade ein Freistoß zugesprochen worden war. Es kam Claudius Weber. Markus Dworrak schlug wenig später den Freistoß, Weber lenkte bei seiner ersten Aktion den Ball per Kopf gleich weiter ins Netz zum 1:1 (80.).

„Wir werden noch stabiler werden in der nächsten Zeit“, versprach Mirko Votava hinterher. Eine stabile Psyche braucht indes heute erst einmal Hermann Täumel, der Platzwart an der Alte Försterei. Sein Vorteil: Er darf heute Gummistiefel tragen, wenn er die gewiss nicht einfache Reparatur des ramponierten Rasens in Angriff nimmt.

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