Sport : Den Spaß verdorben

Nach gutem Saisonstart in der Bundesliga bringt der Uefa-Cup Hertha BSC wieder einmal Ernüchterung

Stefan Tillmann

Berlin - Spiele für den Verein unter der Woche im internationalen Geschäft – das sei der eigentliche Fußball, wusste Falko Götz noch am Mittwoch zu berichten. Der Trainer vom Bundesligisten Hertha BSC erzählte von dem dramatischen Abend 1988, als er mit Bayer Leverkusen als Spieler den Uefa-Cup gewann: „Für mich ist der Uefa-Pokal nur positiv“, antwortete er ungläubig auf Fragen nach Prestige und Belastung des internationalen Geschäfts, welches zudem in den ersten Runden kaum Geld bringt.

Das Erreichen des Uefa-Cups war für Hertha das Ziel der vergangenen Saison. Götz sprach von „Wellenbädern der Gefühle“, die sie durchlitten hätten. Nach den Mühen der vergangenen Saison und der Qualifikation mit Spielen gegen Moskau und Tiflis ist das Ziel erreicht – und Hertha in der Ernüchterung angelangt. Die Berliner mussten mit einem 2:2 gegen den dänischen Klub Odense BK zufrieden sein. Auf große Uefa-PokalAbende mit Berlin muss Götz weiter warten. „Natürlich bin ich enttäuscht über die Zuschauerzahl“, sagte er. Nur 12 814 Zuschauer waren ins Olympiastadion gekommen. Dabei ist Odense BK für die erste Runde ein vergleichsweise attraktives Los, das Wetter wird in dieser Saison wohl nie mehr besser sein und der Start in die Bundesliga ließ die Hertha-Verantwortlichen gar auf den Ausbruch einer Euphorie hoffen. Selbst wenn Hertha in Odense gewinnen sollte und weiterkommt, werden zu den beiden Heimspielen in der dann folgenden Gruppenphase kaum mehr Zuschauer kommen.

„Wir wollen weiter Motivation tanken“, hatte Arne Friedrich vor dem Spiel angekündigt. Das klang optimistisch, aber nicht so, als hätte die Partie gegen Odense BK für ihn einen besonderen Stellenwert. Während des Spiels ließen sich die Berliner von der Tristesse auf den Rängen anstecken. Am Anfang fehlte „die Körperlichkeit“, wie Götz das nennt, zu spät seien seine Spieler in die Zweikämpfe gekommen. Am Ende schlich sich eine Sorglosigkeit ein, die man sonst aus der Saisonvorbereitung kennt. Dazwischen lagen 25 gute Spielminuten bis Hertha zwischenzeitlich einmal führte. In der letzten halben Stunde fehlte der Wille, eine derart schlechte Ausgangsposition noch abzuwenden.

Der Uefa-Cup droht nun die positiven Eindrücke vom Bundesligastart zunichte zu machen und Unruhe in die Mannschaft zu bringen. Die hatte es in dieser Saison eigentlich leicht. Herthas Manager Dieter Hoeneß hatte den Erlebnisfußball ausgerufen, der mit mutigem Offensivstil Zuschauer ins Stadion locken sollte und nicht so streng auf das Ergebnis zielt. Junge Spieler sollen sich – gerade nach dem Weggang von Marcelinho – ins Blickfeld spielen. In der Bundesliga ist dies bislang gelungen. Nach zwei munteren Spielen gegen Hannover und in Hamburg erwartet der Klub zum Spiel gegen Schalke 04 am Sonntag 60 000 Zuschauer. Leider kommt ein Verein mit Erlebnisfußball weder im Europa- noch im DFB-Pokal sonderlich weit. Im Pokal in Darmstadt hielten die Berliner wenigstens kämpferisch dagegen, weil auch die Atmosphäre stimmte. Gegen Odense BK fehlte neben einigen tausend Berlinern im Stadion auch die Gewissheit, dem dänischen Klub spielerisch überlegen zu sein. Zumindest sei das Spiel attraktiver gewesen, als die meisten Uefa-Cup- Spiele der letzten Jahre, sagte Manager Dieter Hoeneß. Herthas Anteil daran bezog sich zwar nur auf 25 Minuten. Aber zumindest in dieser Phase sahen die wenigen Auserwählten auch international Erlebnisfußball.

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