Sport : Den Sport schützen

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Sidney Crosby, Eric Lindros und in Deutschland Stefan Ustorf. Die Liste der prominenten Eishockeyprofis, deren Karriere wegen einer Gehirnerschütterung gefährdet ist oder mit dauerhaften Schäden endete, ist lang. Eishockey lebt von Zweikampf und Körperkontakt. Die Spieler sind ja auch dementsprechend geschützt. Aber der Körperschutz reicht nicht aus, um Kopf und Nacken bei einem brutalen Check gegen die Bande ausreichend zu schützen. Insofern ist es zu begrüßen, dass die Deutsche Eishockey-Liga nun hart durchgreift und Täter auch im Nachhinein sanktioniert, wie jetzt Eisbären-Verteidiger Mark Katic.

Harte Strafen nützen aber nur, wenn sie den Prozess des Umdenkens in Gang bringen. Eishockey wird immer gewaltiger inszeniert, Mikrofone an den Banden übertragen in Nordamerika Minichecks in brachialer Lautstärke ins Fernsehen. Dort sind brutale Checks Teil der Zuschauerunterhaltung, gehören zum Eishockey-Entertainment wie zünftige Keilereien. Auch in Deutschland wird dieser Sport zum Teil noch aus der Macho-Perspektive betrachtet: Das ZDF-Sportstudio führte am Sonnabend seinem Studiogast Dennis Seidenberg ein Filmchen mit seinen Schlägereien aus der nordamerikanischen Profiliga NHL vor. Dass Seidenberg beschämt murmelte, so etwas passiere ihm selten, ging unter im begeisterten Gequassel um unterhaltsame Faustkämpfe im Eishockey unter. Dabei machen Keilereien die Sportart nicht ansehnlicher: Das machen elegante Techniker wie die beiden Gastspieler der Eisbären, Daniel Brière und Claude Giroux, dieser Tage mit ihren Kunststücken auf dem Eis.

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