Sport : Den Zuschauern gefällt’s

Die „World Series“ genannte Vorbereitungsregatta zeigt: Der America’s Cup wird mit Katamaranen schneller und spektakulärer

Ingo Petz
Noch alle Mann an Bord? Das Team Korea kenterte in Plymouth – derartige Malheure kommen bei der neuen America’s-Cup-Formel häufiger vor. Foto: Reuters
Noch alle Mann an Bord? Das Team Korea kenterte in Plymouth – derartige Malheure kommen bei der neuen America’s-Cup-Formel...Foto: REUTERS

Die Boote schießen mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 Kilometer pro Stunde durch aufpeitschende Wellen und die weiße Gischt, zeitweise türmen sie sich auf oder kentern gar. Das Spektakel wird ohne Frage betont beim neuen America’s Cup. Das bewies auch der zweite Lauf der America’s Cup World Series vor Plymouth (England), der am Sonntag spektakulär zu Ende gegangen ist. Bereits in den Minuten des Vorstarts kenterte der erste Katamaran, weitere Boote kollidierten. Als es dann bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 55 Kilometer pro Stunde losging, siegte im Fleet Race das zweite Oracle Team der USA mit Skipper James Spithill.

Dass der America’s Cup aufregender, dramatischer, medienwirksamer und für den Laienzuschauer nachvollziehbarer werden sollte, das war der Wunsch der Cup-Macher um den neuseeländischen Segler Russell Coutts. Im Namen des Titelverteidigers Oracle setzte Coutts eine Revolution in der Geschichte der Traditionsregatta durch. Der America’s Cup wird erstmals auf Katamaranen ausgesegelt. Bevor der America’s Cup 2013 vor San Francisco ausgetragen wird, präsentieren sich die neun Teams in Vorlaufregatten, in der America’s Cup World Series. Dort wird in einem komplexen, für den Zuschauer nicht ganz leicht verständlichen Modus aus einem Hochgeschwindigkeitswettbewerb, einem Fleet und Match Races der Sieger ermittelt. Die Katamarane laufen unter der Marke AC 45. Die Zweirümpfer sind rund 13 Meter lang und fast so breit. Sie sind mit einem 21,5 Meter hohen Flügelsegel bestückt und wiegen 1,4 Tonnen. Ab Mitte kommenden Jahres soll die AC-Series auf AC-72-Katamaranen gesegelt werden, die rund neun Meter länger sind. Dann geht es um Punkte, die Auswirkung auf die Setzliste in San Francisco haben werden. Die AC-72-Katamarane müssen die Teams selbst finanzieren, konstruieren und bauen. 50 bis 70 Millionen Euro braucht ein solches Team.

Es gibt viel Kritik am neuen Format und an den neuen Booten, an der Showorientierung des America’s Cup, die viele für kalkuliert halten. Der deutsche Segler Jochen Schümann etwa, der den Cup zweimal gewann, hält das Ganze als „Show um nichts“. Er kritisiert die Unberechenbarkeit und die Gefährlichkeit der Katamarane und gesteht, dass er selbst lieber auf der TP-52-Klasse bleibe, die Schümann für die Champions League der Segler hält.

Nun produziert der America’s Cup seit dem Anbeginn seiner Tage Aufregung, Neid und Wut. Der Titelverteidiger, der das Recht bekommt, die Titelverteidigung nach seinen Regeln auszutragen, steht immer in der Kritik. Zugute halten muss man dem Team um Coutts, dass sie das Ganze etwas weniger wissenschaftlich angelegt haben. Während auf den 24 Meter langen und 24 Tonnen schweren Kielbooten des alten America’s Cup ganze Wetterteams, Navigatoren und eine einstudierte Detailarbeit für die richtige Linie bei einem Match Race sorgten, müssen die wendigen, schnellen und windanfälligeren Katamarane heute viel schneller reagieren, was auch vermeintlich schwächeren Teams Chancen einräumt.

„Du musst das Segeln völlig neu lernen“, sagte der Skipper der Neuseeländer Dean Barker, der den Cup 2003 gegen Alinghi verlor und ihn auch 2007 gegen die Schweizer nicht zurückerobern konnte. Barker und sein Team haben sich einer intensiven Katamaranschule unterworfen. Es zeigte sich früh, dass er auch ein Meister auf den schnellen Zweirümpfern ist. Bei einem Katamaranrennen wechselt zudem häufiger die Führung. Beim Match-Race-Wettbewerb in Plymouth schlug etwa das Team Korea, das niemand auf der Rechnung hatte, Titelverteidiger James Spithill und räumte die starken Schweden aus dem Weg, bevor das Team im Finale gegen Neuseeland verlor.

Über die Präsentation der Rennen im Internet (es gibt einen eigenen Youtubekanal) muss man sagen: Segeln ist noch nie eindrücklicher und aufregender präsentiert worden. Auch an die Strecke kamen Hunderte. Den Zuschauern schien das Segelspektakel zu gefallen.

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