Sport : Denk ich an Stuttgart…

Hertha macht sich vor dem Heimspiel am Sonntag Mut mit der Vergangenheit

Mathias Klappenbach

Berlin - Damals war die Situation dramatisch. Hertha BSC lag im Februar diesen Jahres auf dem letzten Tabellenplatz. Die Hoffnung, Anschluss an die Nichtabstiegsplätze zu finden, war nach dem 0:4 in Bremen am ersten Rückrundenspieltag weiter gesunken. Dann kam der VfB Stuttgart, derselbe Gegner wie am Sonntag (17.30 Uhr, Olympiastadion) nach Berlin.

Von der ersten Minute an hatten die Zuschauer das Gefühl, dass Hertha an diesem Tag gewinnen würde. Die Mannschaft spielte Fußball mit Leidenschaft. Obwohl zwei Tore nicht anerkannt wurden, siegte Hertha durch einen Treffer von Fredi Bobic in der 87. Minute 1:0. Torschütze Bobic lobte seine Mannschaftskollegen für ihren unbedingten Einsatzwillen. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt war zurückgekehrt, die Berliner gewannen das nächste Spiel in Freiburg 3:2. Und die Saison hatte eine neue Richtung: nach oben.

Vielleicht hatte Herthas Trainer Falko Götz auch dieses Spiel im Sinn, als er gestern von seiner Mannschaft forderte, mit „so viel Engagement in das Spiel zu gehen, dass der Funke auf die Zuschauer überspringt“. Götz war im Februar noch nicht Trainer bei Hertha, aber Manager Dieter Hoeneß erinnerte gestern an das Spiel: „Es war damals ganz wichtig, dass wir den VfB in einer bedrohlichen Situation geschlagen haben.“ Eigentlich wollen die Verantwortlichen bei Hertha nicht mehr über die vergangene Saison reden, aber bei diesem positiven Beispiel wird eine Ausnahme gemacht. Gute Erinnerungen bleiben präsenter im Gedächtnis als schlechte.

Die Lage, in der sich Hertha damals befand, ist mit der momentanen Situation nicht zu vergleichen. Aber gerade in den Schlussphasen der Spiele in dieser Saison ließ das Team die Leidenschaft vermissen, die nötig gewesen wäre, um zu gewinnen. Am Sonntag geht es darum, der Saison nach den vier Unentschieden überhaupt eine Richtung zu geben. „Die Tendenz, dass jeder Spieltag als vorentscheidend angesehen wird, stört mich“, sagt Herthas Manager Dieter Hoeneß. „Aber ein Sieg würde natürlich dabei helfen, nicht so viel Druck aufkommen zu lassen.“ In den nächsten beiden Bundesligapartien spielt Hertha auswärts, in Hamburg und in Kaiserslautern.

Hoeneß begann seine Ausführungen gestern mit den Worten: „Ich kann mich nur wiederholen.“ Dann sagte er die gleichen Sätze wie vor dem Spiel gegen Nürnberg. Mit zwei kleinen Unterschieden. Der erste bestand darin, dass er das Wort Nürnberg durch das Wort Stuttgart ersetzte. Der zweite war, dass er seine Überzeugung, der erste Sieg werde im kommenden Spiel gelingen, durch die Zeitangabe „in Kürze“ ersetzte.

Es ist sicher der Respekt vor dem Tabellenführer aus Stuttgart, der den Manager zu dieser kleinen Änderung in seiner Wortwahl bewogen hat. Und das Wissen, dass die Mannschaft am Sonntag die gleiche Leidenschaft wie im Februar an den Tag legen muss, um wie damals durch das Tor von Fredi Bobic zu gewinnen. Gegen Mainz saß Bobic eine Halbzeit lang auf der Bank, in Nürnberg wurde er erst kurz vor Schluss eingewechselt. Falko Götz wollte sich noch nicht festlegen, aber es sieht ganz so aus, als ob Bobic gegen Stuttgart wieder von Anfang an dabei ist.

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