Sport : „Denken, abgucken, besser machen“

Sportdirektor Schümann über den Titelverteidiger

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Herr Schümann, als Alinghi beim Act 13 noch ein letztes Mal gegen alle Herausforderer segeln durfte, standen Sie nicht am Ruder. Sind Sie enttäuscht?

Nein, das habe ich ja als Sportdirektor selbst so mitentschieden.

Werden Sie beim Finale an Bord sein?

Auf jeden Fall beim täglichen Training. Wer Ende Juni letztlich zu den 17 Mann gehört, wissen wir jetzt noch nicht.

Wie verbringt Ihr Team den Louis Vuitton Cup der Herausforderer?

Wir werden genauso jeden Tag segeln, nur halt im harten Trainingswettkampf gegen uns selbst. Es gibt keine Veranlassung, sich auszuruhen.

Cupverteidiger Alinghi liegt nicht nur bei den Buchmachern wieder klar vorn, ist scheinbar haushoch überlegen. Droht nach den Ausscheidungsrennen ein langweiliges America’s-Cup-Finale?

Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, denn wir wollen die Kanne ja behalten. Aber ein Langweiler wird es sicher nicht. Dafür sind die Yachten zu ähnlich geworden, und mehrere Syndikate arbeiten auf höchstem Niveau.

Technische Quantensprünge gibt es also bei niemandem?

Extreme Innovationen waren nicht zu erwarten, denn das Reglement für den Bau der America’s-Cupper wurde nach unserem Sieg 2003 enger gezogen, damit die Chancengleichheit steigt und die seglerische Leistung in den Vordergrund rückt.

Trotzdem scheinen die großen und etablierten Kampagnen wie Emirates Team New Zealand, BMW Oracle Racing aus den USA und die Italiener von Luna Rossa Challenge dem Rest des Felds enteilt.

Die Rennen werden enger werden, als manchem Favoriten lieb ist. Auch Außenseiter sind für eine Überraschung gut.

Ins Halbfinale der Herausforderer wollte auch das deutsche United Internet Team kommen, stapelt inzwischen aber tiefer.

In der Vorbereitung lief da ja nicht alles rund. Das neue Boot hat noch keinen Matchrace-Wettkampf bestritten.

Ihr Herz schlägt schon noch für Deutschland?

Na klar, da habe ich meine Wurzeln, die seglerischen Grundsteine gelegt und die Olympiamedaillen gefeiert. Das ist meine Heimat.

Aber nun starten Sie für die Eidgenossen. Warum?

Als ich in den America’s Cup eingestiegen bin, übrigens mit teurem Lehrgeld beim chancenlosen ersten Schweizer Syndikat FAST 2000, gab es diese Chance zu Hause nicht.

Kritiker sagen, dem Team Germany fehle die deutsche Seele, nicht mal die Hälfte an Bord seien Deutsche. Wie sehen Sie das?

Ich schwinge mich nicht zum Richter über andere Mannschaften auf. Jesper Bank als Skipper hat die Jungs ausgewählt, die er für die besten hält.

Gibt es denn nicht genug gute Segler in Deutschland?

Doch, obwohl es an Erfahrung auf America’s-Cup-Yachten mangelt. Leider ist die gute Basis der in den Achtziger- und Neunzigerjahren siegreichen Hochseeyachten wie Rubin, Pinta, Container oder Thomas-i-Punkt verlorengegangen.

Wird Jochen Schümann denn irgendwann mal wieder für Deutschland segeln, zum Beispiel im America’s Cup?

Warum nicht? Aber zunächst habe ich eine große Aufgabe mit Alinghi, und es hätte auch einen hohen Reiz, im Falle der Titelverteidigung hier weiter zu machen.

Welche Voraussetzungen muss ein Team mitbringen, um beim America’s Cup anzugreifen und auch gewinnen zu können?

Ein Team muss denken und abgucken und nachmachen und besser machen. Es muss den Porsche-Geist leben und durchziehen, der Deutschland zu einer führenden Wirtschaftsnation gemacht hat.

Das Gespräch führte Andreas Kling.

Jochen Schümann, 52, präsentiert den America’s Cup. Nun wartet er gemeinsam mit der Alinghi-Crew darauf, welches Team sich das Recht der

Herausforderung vor Valencia ersegelt.

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