Sport : Denkt an die Elektrolyte!

Albas Basketballer hoffen im zweiten Spiel gegen Würzburg auf frische Beine.

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Berlin - Das linke Bein auf dem Boden, das rechte nach hinten in die Luft gestreckt, den Rücken in der Waage, die Arme nach vorne: Albas Profis recken und strecken am Dienstagvormittag ihre mächtigen Körper. Nach ausgiebigen Dehnübungen scheucht Athletiktrainer Jussi Hirvonen die Basketballer über einen Hürdenparcours, erst in Tippelschrittchen, dann in Hüpfern, zuletzt in gleitenden Seitwärtsbewegungen. Vor dem heutigen zweiten Play-off-Spiel bei den Würzburg Baskets (19 Uhr) geht es bei den Berlinern darum, die schweren Beine zu lockern. „In dieser Saisonphase kann man athletisch nichts mehr verbessern“, sagt Hirvonen. „Die Spieler brauchen in erster Linie Regeneration. Es kommt darauf an, alles abzurufen – bei jedem Spieler.“

Am vergangenen Sonntag, bei Albas 75:67-Heimsieg im ersten Spiel der Best- of-five-Serie, waren die Berliner in der zweiten Hälfte merklich müder geworden. Das äußerte sich vor allen Dingen darin, dass die Spieler von Trainer Gordon Herbert ihre freien Würfe nicht mehr verwandelten, null Treffer bei elf Versuchen von der Dreipunktelinie lautete die Statistik. „Es ist Würzburgs Philosophie, dich mit ihrem Druck auszulaugen“, sagt Herbert über die Strategie des Aufsteigers, die gegnerischen Aufbauspieler in Ganzfelddeckung zu nehmen. „Es ist schon anstrengender, gegen diese Full-Court-Defense zu spielen, als den Ball locker nach vorne bringen zu können“, sagt Heiko Schaffartzik. Hinzu kam am Sonnabend, dass die Berliner Einwechselspieler im Gegensatz zu vergangenen Partien nur wenig Entlastung brachten. Schaffartzik dribbelte sich mehrfach fest, Marko Simonovic warf bei zehn Versuchen acht Mal daneben, Lucca Staiger und Sven Schultze kamen gar nicht zum Einsatz. „Am Sonnabend mussten wir unsere Starter ein bisschen zu lange spielen lassen“, gibt Herbert zu.

Das führte kurz vor Schluss zu einer Schrecksekunde: In der entscheidenden Phase der Partie ging Spielmacher Dashaun Wood zu Boden und hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die linke Wade. Herbert hatte seinem Kapitän bis dahin kaum eine Pause gönnen können, ein Krampf war die Folge. Nach einer kurzen Behandlung konnte der 26-Jährige weiterspielen, besorgniserregend findet das Trainerteam den Vorfall nicht. „Wenn er zu Boden geht, sieht das natürlich übel aus, das ist aber nicht ungewöhnlich für Dashaun“, sagt Hirvonen, der Woods Körper schon in der vergangenen Saison bei den Frankfurt Skyliners betreute. „Er spielt mit so viel Einsatz und Intensität, dass er häufiger Krämpfe bekommt.“ Herbert fügt nur hinzu, Wood müsse eben mehr trinken und Kalzium zu sich nehmen.

Wood will seiner vorübergehenden Schwäche nicht zu viel Bedeutung beimessen – oder gar seinen Gegenspielern Hoffnung machen, sie könnten ihn körperlich an seine Grenzen bringen. „Ich hatte diese Saison auch schon mal einen Krampf, als wir mit 20 Punkten in Führung lagen“, beteuert er. „Es hat überhaupt nichts mit den Würzburgern zu tun.“ Das Gute sei, dass seine Muskulatur in der Regel nur alle zwei bis drei Monate in einem Spiel verkrampfe, „das nächste Mal wird es also wahrscheinlich passieren, wenn ich zu Hause in den USA ein bisschen mit Freunden zocke“. Der Spielmacher will trotzdem auf seinen Flüssigkeitshaushalt achten, sich häufig stretchen und massieren lassen. „Bevor ich schlafen gehe, stelle ich mir eine große Flasche Wasser neben das Bett“, sagt Dashaun Wood. „Das reicht.“ Dann ruft Jussi Hirvonen die Spieler zusammen und macht eine weitere Gleichgewichtsübung vor. „Viermal linkes Bein, viermal rechtes Bein“, sagt er knapp. In den Play-offs reicht eine Flasche Wasser allein eben doch nicht.

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