Sport : Denkwürdiges geleistet

Deutsches Team besiegt bei der Eishockey-WM Tschechien sensationell mit 2:0

Claus Vetter

Berlin/Moskau - Die Miene von Uwe Krupp blieb starr. Ein paar Sekunden waren noch zu spielen, da wurden um ihn herum hinter der Bande bereits Freudentänze aufgeführt. Als die Uhr abgelaufen war, stürmten die Spieler auf das Eis und führten ihre Jubelarien dort fort. Krupp, der Bundestrainer, rang sich da immerhin ein zaghaftes Lächeln ab. Die deutsche Nationalmannschaft hatte bei der Eishockey-WM in Mytischtschi, nahe Moskau, gerade Denkwürdiges geleistet: Mit 2:0 (1:0, 0:0, 1:0) hatte sie den WM-Mitfavoriten Tschechien besiegt. Es war der erste WM-Sieg einer deutschen Mannschaft über diesen Gegner seit dem 15. April 1986. Seinerzeit beim 4:3 über die damalige CSSR gehörte Uwe Krupp noch als Spieler zum Siegerteam.

Die deutsche Mannschaft besitzt nun sogar die Chance, ins Viertelfinale einzuziehen. Allerdings schleppt sie in der Zwischenrunde den Ballast der beiden Vorrunden-Niederlagen gegen Kanada und die Slowakei mit sich herum. Die Deutschen treffen als nächstes am Samstag (14.15 Uhr, live im ZDF) auf die USA, danach geht es noch gegen Weißrussland.

Gegen Tschechien trafen der Frankfurter Michael Hackert unmittelbar vor Beendigung des ersten Drittels und der Iserlohner Michael Wolf kurz vor Spielende. Es war Wolfs drittes Tor bei dieser WM. Uwe Krupp hatte einige Umstellungen vorgenommen. Die wichtigste: Das Tor hütete der Iserlohner Dimitrij Kotschnew anstelle von Dimitri Pätzold. Kotschnew hielt glänzend. „Meine Erwartungen sind weit übertroffen worden. Meine Spieler haben gekämpft und gespielt“, lobte Krupp.

Der Erfolg über Tschechien ist umso erstaunlicher, als Deutschland überhaupt erstmals seit 2004 wieder unter den besten zwölf bei einer WM mitspielen darf. Uwe Krupp, einst ein Weltklassespieler, betreut zudem ein junges Team ohne Erfahrung aus der renommierten National Hockey-League (NHL), in der Krupp selbst 810-mal gespielt hat. Er hat mal gesagt, er möchte seine Erfahrungen an junge Spieler weitergeben. „Ich muss keinem Millionär erklären, wie er den Schläger zu halten hat“, so Krupp. Deutsche Eishockeymillionäre wie Marco Sturm oder Olaf Kölzig sind bei der WM nicht dabei.

Der 41 Jahre alte Krupp, der seinen Wohnsitz in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia hat, übernahm das Amt des Bundestrainers nach dem Abstieg bei der WM 2005 am Tiefpunkt. Er schaffte 2006 bei der B-WM sofort den Aufstieg. „Wenn man das alles mitgemacht hat, ist das, was nun in Moskau passiert, eine Riesenerleichterung“, sagt Franz Reindl, Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes.

Die Deutschen sind eingespielt, viele Spieler kennen sich aus den Nachwuchsauswahlteams. Zudem stimmt die Hierarchie. „Wir jungen Spieler hören auf die älteren, sie helfen uns“, sagt Verteidiger Tobias Draxinger (22) vom EHC Eisbären. Torwart Kotschnew kommentierte die Sensation ganz nüchtern. „Es war nur ein Sieg“, sagte er. „Was der wert ist, wird man erst am Ende der Zwischenrunde wissen.“ (mit dpa)

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