Sport : Depression im Frühjahr

Borussia Dortmund verdirbt seinen Fans die Laune

Felix Meininghaus

Dortmund. Eine Stätte überbrodelnder Lebensfreude ist das Dortmunder Westfalenstadion schon seit einiger Zeit nicht mehr. Bei Borussia Dortmund verzeichnen sie bei den Heimspielen zwar den höchsten Zuschauerschnitt aller europäischen Vereine, doch seit Wochen herrscht eine depressive Grundstimmung in dem Prachtbau. In den Spielen gegen Schalke 04 und den 1. FC Köln waren jeweils die wenigen tausend Gästefans lange Zeit besser zu hören als die mehr als zehnfache Zahl der Dortmunder Anhänger. Und am Sonnabend, gegen den VfB Stuttgart, machte die kleine Schar der Anhänger des schwäbischen Klubs die bessere Stimmung. Am Ende durften die Gäste sogar ausgiebig feiern.

Wen wundert’s? Stuttgart gewann 2:0, und Dortmunds Trainer Matthias Sammer verkündete verärgert: „So etwas ist für das Publikum eine Katastrophe.“ Das Publikum, zumindest soweit es aus Dortmunder Fans bestand, sah das genauso. Entsprechend schonungslos fiel die Analyse im Dortmunder Lager aus. Spielern, Trainer und Funktionären bei Dortmund dämmert nun, dass diese Mannschaft trotz einer Vielzahl hoch bezahlter Profis keinen gehobenen Ansprüchen gerecht wird. „Bremen und Stuttgart haben uns unsere Grenzen aufgezeigt“, sagte Mittelfeldakteur Lars Ricken. Und der verletzte Kapitän Christoph Metzelder sagte: „Wir formulieren hier hohe Ansprüche, und es wird Zeit, dass sich jeder fragt, ob er diesen Ansprüchen gerecht wird.“ Deutlicher muss er gar nicht werden.

In dieser Verfassung, so die düstere Ahnung vieler Fans, wird Borussia Dortmund den Europapokal verpassen. Die Champions League hat der Klub ohnehin schon fast abgehakt, aber jetzt ist auch ein Uefa-Cup-Platz in Gefahr. Das Erreichen von Platz drei, der zu Qualifikationsspielen um den Einzug in die Champions League berechtigt, hält Manager Michael Meier für illusorisch. Was bleibt in trostlosen Zeiten, das ist der Galgenhumor. So regte Meier grinsend an, man könne ja vielleicht einen Antrag bei der Uefa stellen. „Vielleicht bekommen wir ja als früherer Champions-League-Sieger eine Wildcard.“

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