Deprimierende Niederlage gegen Gladbach : Hertha BSC verabschiedet sich von Europa

Die 1:4-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach zeigt, dass Hertha BSC trotz guter Platzierung noch zu klein ist für die Großen der Liga.

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Blick nach oben? Lieber nicht! Genki Haraguchi und Hertha mussten gegen Gladbach erkennen, dass sie nicht mithalten konnten.
Blick nach oben? Lieber nicht! Genki Haraguchi und Hertha mussten gegen Gladbach erkennen, dass sie nicht mithalten konnten.Foto: dpa

In der zweiten Halbzeit konnte sich Hertha BSC gar nicht mehr retten vor positiven Nachrichten. Der Brasilianer Ronny kam ausgerechnet gegen seinen Bruder Raffael und dessen Arbeitgeber Borussia Mönchengladbach zu seinem Saisondebüt für den Berliner Fußball-Bundesligisten, Alexander Baumjohann erzielte in seinem dritten Jahr als Profi in Berlin das erste Tor für Hertha BSC, und mit Yanni Regäsel, 19, verhalf Trainer Pal Dardai zum ersten Mal in seiner Amtszeit einem Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu seinem Bundesligadebüt. So richtig angekommen sind die positiven Nachrichten beim breiten Publikum allerdings nicht. Vor und über allem anderen stand eine deprimierende 1:4-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach. „Die waren einfach besser“, sagte Herthas Mittelfeldspieler Per Skjelbred.

Vor dem Spiel hatten sich die Berliner mit den Gladbachern noch auf Augenhöhe gewähnt, sie waren sogar in der Tabelle zwei Plätze besser postiert gewesen; nach dem Spiel aber mussten sie sich eingestehen, dass sie dem Gegner nichts entgegenzusetzen hatten. „Wir waren nur unterwegs, sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen“, sagte Dardai. „Das war für uns viel zu schnell.“ Im vierten Spiel gegen einen der vermeintlich Großen der Liga kassierte Hertha die vierteNiederlage. Doch während die Mannschaft in Dortmund, Wolfsburg und Schalke ordentlich mitgehalten hatte, war gegen Gladbach, die – zugegeben – Mannschaft der Stunde, erstmals ein Klassenunterschied zu erkennen. „Sehr souverän, sehr reif und spielerisch klar besser als wir“ hatte Innenverteidiger Sebastian Langkamp die Gäste erlebt, die ihren höchsten Auswärtssieg überhaupt in Berlin feierten und so viele Tore gegen Hertha erzielten wie noch keine Mannschaft zuvor, seitdem Dardai im Februar Trainer geworden ist.

Nach den knappen Duellen gegen Dortmund, Wolfsburg und Schalke war das Spiel gegen die Gladbacher zu einer Art Reifeprüfung für die Berliner und ihre gestiegenen Ambitionen erklärt worden. Trainer Dardai hatte öffentlich angekündigt, dass seine Mannschaft voll auf Sieg spielen werde. Der konkrete Plan sah so aus, dass Hertha über viel Ballbesitz ins Spiel kommen und auf diese Weise das Pressing der Gladbacher umgehen sollte. Doch unter dem Druck der Gäste fielen die Berliner in die Verhaltensweisen der Vorsaison zurück: Sie zogen sich weit zurück, blieben auffallend passiv und ließen die Borussen gewähren. Ballbesitz sammelten nur die Gladbacher, die sich Hertha auf diese Weise wunderbar zurechtlegen konnten und letztlich den perfekten Moment abpassten, um entscheidend zuzuschlagen. „Wir wollten sie vor Probleme stellen, das ist uns nicht gelungen“, sagte Valentin Stocker. „Man hat das Gefühl gehabt, wir sind ein Mann weniger.“

Herthas erste Heimniederlage in dieser Saison

Die Tabelle weist Hertha nach der ersten Heimniederlage weiterhin auf einem Europapokalplatz aus, aber ein Spitzenteam sind die Berliner ganz sicher noch nicht. Was sich schon bei den glücklichen Siegen gegen Aufsteiger Ingolstadt und im Pokal gegen das Zweitliga-Mittelklasseteam FSV Frankfurt angedeutet hatte, fand gegen den Champions-League-Teilnehmer Mönchengladbach seine Bestätigung. „Wir wussten, dass wir noch nicht so weit sind“, sagte Langkamp. „Aber dass es so eine eindeutige Sache wird, das wollten wir sicherlich nicht wahrhaben.“

Das Spiel hat bei und um Hertha herum alle Träumer wieder auf den Boden zurückgeholt. „So eine kalte Dusche ist eigentlich nicht schlecht, für Berlin und für viele Leute, die schon angefangen haben, über die Europa League zu reden“, sagte Dardai. Seine Mannschaft spielt bisher eine solide bis gute Saison, sie macht das, was im Rahmen ihrer Möglichkeiten steht, und ist vermutlich in der Lage, ihr Saisonziel zu erreichen. Das Saisonziel hieß aber nie Qualifikation für den Europapokal. Es ging vor allem darum, einen maximalen Abstand zur Abstiegsregion herzustellen. In dieser Hinsicht ist Hertha weiterhin auf einem guten Weg. Ein Sieg am Freitag in Hannover könnte demnach wertvoller sein, als es ein Sieg gegen die Gladbacher gewesen wäre, auch wenn Alexander Baumjohann sagt: „Uns ist ganz egal, gegen wen wir die Punkte holen.“

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