Der 1. FC Union und sein Sponsor : Diesmal ist es die Stasi

Der Sponsor stellt Zweitliga-Tabellenführer 1. FC Union vor weitere Probleme - ein führender Manager soll für die DDR-Staatssicherheit tätig gewesen sein.

Matthias Koch,Katrin Schulze

Berlin - Sportlich könnte es für den 1. FC Union kaum besser laufen. Mit drei Erfolgen aus drei Spielen ist der Fußball-Zweitligist erstaunlich souverän in die Saison gestartet. Ob die Beteiligten diesen Erfolg wirklich uneingeschränkt genießen können, ist allerdings mehr als fraglich. Zu laut sind die Geräusche, die im Hintergrund der kleinen Köpenicker Siegesserie zu vernehmen sind. Wieder mal geht es dabei um den Hauptsponsor des Klubs – die Firma International Sport Promotionen (ISP).

Nach Informationen des „Spiegel“ soll der Aufsichtsratsvorsitzende von ISP, Jürgen Czilinsky, vor der Wende als Führungsoffizier im DDR-Ministerium für Staatssicherheit tätig gewesen sein. Mindestens 26 operative Vorgänge und mehrere Inoffizielle Mitarbeiter soll er denach zuletzt im Rang eines Hauptmanns der Hauptverwaltung Aufklärung betreut haben. Angeblich wurde er für sein nachrichtendienstliches Wirken sogar mit der „Verdienstmedaille der Grenztruppen der DDR“ in Bronze ausgezeichnet.

Von der Stasi-Vergangenheit ihres Partners war den Berlinern selbst nichts bekannt – einigermaßen überrascht reagierten sie auf die Nachricht aus dem Hause ISP. „Wir werden kurzfristig das Gespräch mit Jürgen Czilinsky und anderen Vertretern des Sponsors suchen“, sagte Unions Präsident Dirk Zingler am Sonntag. „Danach werden wir in den Vereinsgremien über die Bewertung der Angelegenheit und mögliche Konsequenzen entscheiden.“

Wann es tatsächlich zu der Sitzung kommt, ist aber noch offen. Czilinsky tingelt nämlich derzeit beruflich durch die Lande. Wo genau er sich aufhält, weiß nicht einmal ein enger deutscher Mitarbeiter. „Er ist noch mindestens zehn Tage irgendwo in Afrika unterwegs“, sagt Dieter Fietz. Der Firmendirektor des Sponsors trifft sich deshalb heute zunächst ohne den Betreffenden mit Union-Präsident Zingler. Fietz wird sich dabei wohl einige unbequeme Fragen vonseiten des 1. FC Union gefallen lassen müssen.

Die Stasi-Vergangenheit des Aufsichtsratsvorsitzenden ist nämlich nur die jüngste vieler Kontroversen um den Hauptsponsor der Köpenicker. Zuletzt gab es zudem immer wieder Ungereimtheiten über die Herkunft, die wirklichen Tätigkeitsbereiche und Geldquellen des Firmen-Konsortiums, das  zehn Millionen Euro  in den kommenden fünf Jahren in den Zweitligisten pumpen will. Immerhin sollen die Köpenicker laut Geschäftsführer Oskar Kosche die erste Zahlung der Firma bereits erhalten haben.

Die aktuelle Debatte um Czilinsky scheint jedoch noch auch aus einem Grund prekär: Schlicßlich war Unions Umfeld zu DDR-Zeiten doch als besonders regimekritisch bekannt: Mit verschiedenen Aktionen und Schlachtrufen distanzierten sich die Fans der Köpenicker von den Tätigkeiten der Staatssicherheit. Sie verstanden ihren Klub quasi als Gegenentwurf zum zehnmaligen DDR-Meister BFC Dynamo, dem Lieblingsverein von Staatssicherheitsminister Erich Mielke.

Unter den Anhängern wird Czilinskys Vergangenheit deshalb angeregt diskutiert. Einige fordern von den Berlinern sogar schon die Loslösung vom Hauptsponsor, dessen drei Buchstaben so prominent auf der Brust der Spieler prangen. Soweit aber denkt die Köpenicker Chefetage noch nicht. Voreilig handeln werde man nicht, heißt es.  Union und ISP – diese Verbindung wird vermutlich noch einige Zeit im öffentlichen Fokus stehen. Zuvor aber werden sich die Unioner auf rein sportlicher Ebene Ablenkung verschaffen: Am Mittwoch treffen sie in einem Testspiel auf den FC Bayern München.Matthias Koch/Katrin Schulze

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