Sport : Der 28. Spieltag: Live aus dem Stadion

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tag

Wen haben wir noch, wer hat noch Chancen, nun, da es auf die Zielgerade der Saison geht? Straucheln geht jetzt nicht mehr, Nervenstärke wird benötigt, Nervenschwäche bestraft. Ich habe gestern Schalke gegen Kaiserslautern gesehen, beide noch ambitioniert vor dem Anpfiff, aber das hat sich im Falle der Pfälzer dann jetzt wohl erledigt. Na ja, immerhin haben sie es diesmal nur 15 Minuten mit Treten versucht... Schalke darf noch hoffen, ganz gegen die Gesetze der Branche, trotz eines Trainers mit Verfallsdatum. Hertha haut weiter mächtig auf die Pauke, so laut, dass man sich schon fragt, warum Trainer Götz auch mit Verfallsdatum arbeitet. Bayern natürlich, rechnerisch sind die Münchner auch noch im Rennen, und vergangene Woche habe ich gesagt, sie würden wieder gewaltig mitmischen. Tun sie?

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Es ist ja eine Menge passiert in dieser Woche, mit mancherlei Auswirkungen auf die Liga. Borussia Dortmund hat die Brust gestärkt mit dem Einzug ins Halbfinale des Uefa-Cups, Bayer Leverkusen dergleichen mit dem Sturmlauf durch die Champions League - und der FC Bayern hat Real Madrid zugelost bekommen, schwebt seitdem in anderen Sphären als in denen das Alltags. Gut, sie werden ihre Chance auf den Titel nutzen, wenn sie sich noch ergibt, aber ob sie sie noch ernsthaft suchen werden?

Ich denke nur, sie ergibt sich nicht mehr. Vielleicht weniger wegen der Dortmunder, bei denen namentlich Torwart Lehmann mit Nervenschwäche für sportliche Schwächung gesorgt hat. Aber da ist Bayer Leverkusen, und da ist Trainer Toppmöller, und da sind Spieler, die wahrscheinlich auf dem Boden liegen vor Dankbarkeit ihrem Coach gegenüber. Möglicherweise lachen sie weiter über Trainers lustige Krawatten, vielleicht sammeln sie auch, damit er den Prozess gegen seinen Friseur gewinnt - aber sie werden ihn trotzdem auf Händen tragen, weil er doch alles richtig macht mit ihnen. Wer so eindrucksvoll zurückkehrt auf Europas Bühne - gerade obwohl er sich doch von der schon verabschiedet hatte -, und wer dann noch zwei Tage nach dem Triumph in La Coruña auch noch die Mühen der Ebene gegen 1860 durchstürmt, der dürfte nicht mehr an Selbstunterschätzung kränkeln. Ich will ja nicht sagen, dass die Meisterschaft entschieden ist, aber wer sie entscheidet, da lege ich mich fest: der Krawattenmann mit dem traurigen Haarschnitt.

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