• Der 3000-m-Hindernis-Europameister über seinen Rekordlauf und seine Chancen bei der Leichtathletik-WM

Sport : Der 3000-m-Hindernis-Europameister über seinen Rekordlauf und seine Chancen bei der Leichtathletik-WM

Stolpern Sie manchmal im Traum über Hindernis

Damian Kallabis (26) hat beim Golden-League-Meating der Leichtathleten in Zürich über 3000 m Hindernis in 8:09,48 Minuten einen deutschen Rekord aufgestellt und die zwölf Jahre alte Bestmarke des Dresdners Hagen Melzer um knapp eine Sekunde unterboten. Mit dem Europameister von 1998 sprach Jörg Wenig.

Stolpern Sie manchmal im Traum über Hindernisse?

Eigentlich nicht, ich träume nicht vom Hindernislaufen.

Ein Rekordlauf ist sicher ein emotionales Ereignis. Was haben Sie nach dem Rennen am Mittwoch abend gemacht?

Zunächst musste ich zur Dopingkontrolle, damit der Rekord auch anerkannt werden kann. Dann habe ich mich mit Journalisten unterhalten, und bevor ich schließlich zum Essen gekommen bin, war es halb eins in der Nacht. Man ist zwar körperlich müde, aber innerlich aufgewühlt. Als ich um zwei im Bett war, konnte ich erst nicht schlafen.

Wie haben Sie denn das Rennen gesehen?

Ich bin ein gleichmäßiges Tempo gelaufen, habe mich anfangs zurückgehalten und war zeitweilig sogar einmal Letzter im Feld. Dann bin ich im Gegensatz zu den anderen nicht langsamer geworden und habe einen nach dem anderen überholt. Bei der Hindernisüberquerung lief es technisch sehr gut - da hatte ich ein gutes Gefühl. Hinzu kam, dass optimale Bedingungen herrschten und Zürich mit seiner Wahnsinns-Stimmung ein besonderes Flair bietet.

Wenn man Ihre 3000-m-Bestzeit von Köln am Sonntag registriert hat, durfte der deutsche Rekord gar nicht so sehr überraschen - wie sehen Sie das?

Es gibt natürlich Hochrechnungen, die zeigen was man mit einer 3000-m-Zeit dann über die Hindernisse erreichen kann. Bei einer sehr guten Technik macht der Unterschied etwa 20 Sekunden aus, bei einer weniger guten Technik sind es 30 Sekunden. In Köln bin ich 7:49 Minuten gelaufen, allerdings war ich nach einem Höhentrainingslager noch nicht wieder angepasst. Ich weiß, dass meine Hindernistechnik relativ gut ist und hatte mir für Zürich vorgenommen, im Bereich meiner Bestzeit von 8:13 Minuten zu laufen. Durch die Rekordzeit bin ich nicht aus allen Wolken gefallen.

In der Saisonvorbereitung hatten Sie zweimal Pech - einen Bänderanriss im Knöchel zu Ostern und eine Gürtelrose vor den Deutschen Meisterschaften Anfang Juli. Trotzdem sind Sie rechtzeitig vor der WM in Topform.

Es gab trotz der gesundheitlichen Probleme keine Trainingspausen. Mit dem Bänderanriss durfte ich zweieinhalb Wochen lang nur Wassertreten. Da fragt man sich allerdings, wenn man zweimal am Tag ins Schwimmbad geht, was machst du hier eigentlich? Irgendwann fängt man an, Kacheln zu zählen. Ich weiß nicht, wie das die Schwimmer machen. Für einen Läufer ist es ziemlich frustrierend, denn wir rennen ja sonst durch die Natur. Bei der Gürtelrose habe ich vom Arzt kein Sportverbot bekommen, ich durfte mich nur nicht zu stark belasten. Ich habe ruhige, lange Dauerläufe gemacht, also sehr gutes Grundlagentraining. Anschließend habe ich in St. Moritz vier Wochen hart trainiert und zudem fünf Kilogramm Gewicht verloren. Wichtig ist, dass man auch bei solchen Schwierigkeiten positiv denkt und sich nicht einredet, dass nun alles schlecht wird.

In Zürich waren neben einem Marokkaner zwei Kenianer vor Ihnen, aber auch einige hinter Ihnen. Wie sehen Sie die Übermacht der Kenianer auf dieser Strecke? Und wie lauten Ihre Ziele bei der WM?

In diesem Jahr sind sie nicht so übermächtig wie früher. Bernard Barmasai war bisher überragend, aber in Zürich war er nur knapp vorne - was das bedeutet, weiß ich aber nicht. Erstes Ziel bei der WM ist es, das Finale zu erreichen. Die Vorläufe sind nicht zu unterschätzen, spurten kann nach einem langsamen Lauf am Ende jeder. Da muss man hellwach sein. Wenn ich ins Finale komme, werde ich mich nach dem Ergebnis von Zürich nicht verstecken, sondern vorne mit laufen solange es geht. Aber es wäre vermessen, zu sagen, das Ziel ist eine Medaille.

In der Folge der Affäre um das Medikament HES, das Sie bei der EM verwendet hatten, als es nicht auf der Dopingliste stand, haben Sie sich gegenüber dem Deutschen Leichtathletik-Verband bereit erklärt, sich freiwillig für Blutkontrollen zur Verfügung zu stellen.

Es gibt inzwischen vom DLV Blutkontrollen auf freiwilliger Basis der Athleten. Ich habe mich dazu bereit erklärt, vorausgesetzt diese Kontrollen werden ebenso ordnungsgemäß durchgeführt wie die Urinkontrollen, also mit Versiegelung sowie A- und B-Probe. Leider werden Bluttests zur Zeit nur bei Athleten der Bereiche Langstrecke und Gehen gemacht. Ich denke, die Anlage eines Blutprofils wäre aber auch bei Kraftdisziplinen nötig.

Nach der Europameisterschaft in Budapest sagte Ihr Trainer Stéphane Franke scherzhaft, er habe jetzt ein Problem: sein Schützling sei erfolgreicher als sein Trainer. Hat er sich inzwischen daran gewöhnt oder gibt er Ihnen womöglich beim Berlin-Marathon eine Antwort?

Ich glaube, ein Problem hätte er erst, wenn ich auf seinen Strecken schneller wäre als er. Die Gefahr besteht aber nicht. Stéphane ist übrigens auch einmal die Hindernisse gelaufen, aber mehr aus Jux. Er ist ungefähr 8:40 Minuten gelaufen, und seine Technik ließ dabei etwas zu wünschen übrig. Beim Berlin-Marathon kann er gerne seine Antwort geben.

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