Sport : Der 7. Spieltag: Live aus dem Stadion

Marcel Reif

Was für ein Pass! Was für ein Pass! Man möge mir die Freude verzeihen, aber wenn ein einziger, zu gleichen Teilen schlichter wie genialer Pass es vermag, den Spaß am Fußball zurückzubringen, dann muss Begeisterung erlaubt sein. Tomas Rosicky gebührt der Dank, weil er in der siebten Minute aus dem Mittelfeld und einer an sich harmlosen Situation heraus seine Dortmunder Borussen auf die Reise schickte und den Kollegen Amoroso fand. Das Zuspiel brachte das Führungstor gegen Bayer Leverkusen - und es zeigte noch viel, viel mehr, nämlich, was drinsteckt in der Borussia aus Dortmund. Ach, es könnte so einfach sein, ein gelungener Pass, und auf einmal kann Amoroso wieder Fußball spielen und nicht nur meckern, windet sich Trainer Matthias Sammer nicht mehr wie in Schmerzen, kämpfen Jürgen Kohler und Stefan Reuter nicht mehr mit dem Alter sondern nutzen die reichlich vorhandene Routine, und plötzlich fällt alle Verunsicherung ab.

Zum Thema Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen
Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Und, oh ja, was war er verunsichert, der BVB in den vergangenen Wochen. Die zwei Seelen in Sammers Brust, fast waren sie körperlich sichtbar. Hier die eine, die ihm einflüstert, ein Hitzfeld zu werden, ein Meister zu werden, ein Großer zu sein. Dort die andere, die ihm Realismus zuraunt, die ihn zaudern lässt und im Widerspruch steht zur hochtrabenden Transferpolitik des Klubs, zu dessen visionären Zielen und zur Euphorie auf der Südtribüne. Das krampft sich nicht zusammen, weil es nicht zusammen gehört, und fünf Spiele hintereinander ohne Sieg, das gehört auch nicht zur Borussia 2001. Am Ende waren sie froh, daheim ein 0:0 gehalten zu haben in der Champions League gegen den FC Liverpool - mit Verlaub, bei all dem Tore schießenden Geld, das in der Elf steht, ist das doch ein etwas dürftiger Anspruch. Und dann kamen Tomas Rosicky und sein im wahrsten Sinne des Wortes öffnender Pass.

Er hätte den Weg zeigen können - und reichte doch nur für 20 befreite, mitunter zauberhafte Minuten. Stattdessen: Wo das Selbstbewusstsein des Saisonanfangs endlich wieder hätte blühen können, brach sich allenfalls Bemühen Bahn, das klägliche Bemühen, den Vorsprung zu halten. Das reichte nicht, das wird auch in Zukunft nicht reichen. Ein Pass macht noch keinen Meister, der Realist im Sammer hat mal wieder gewonnen. Schade.

0 Kommentare

Neuester Kommentar