Sport : Der 78-Jährige erwägt eine erneute Kandidatur

Klaus Rocca

Es donnert mal wieder im fernen Kitzbühel, und zwar so laut, dass es bis nach Berlin zu hören ist. Robert Schwan hat sich zu Wort gemeldet, der ehemalige Vorsitzende des Aufsichtsrates von Hertha BSC, von dem doch alle geglaubt hatten, er hätte sich nun endgültig in den Alpen aufs Altenteil zurückgezogen. In einem Interview mit dem Fachmagazin "Kicker" sagte der 78-Jährige, er werde vielleicht im Mai wieder für einen Posten im Aufsichtsrat von Hertha BSC kandidieren. Hatte Schwan nicht erst am zurückliegenden Wochenende auf sein Mandat in diesem Gremium verzichtet?

Er hatte. Aber Schwan wäre nicht Schwan, würde er nicht immer wieder für Kapriolen sorgen. Was interessiert ihn sein Geschwätz von gestern? Die Sorge um den Verein, sagt er, könnte ihn zum Umdenken veranlassen. Genauer gesagt, die vom Verein angepeilte Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft. Diese ist laut Schwan "so überflüssig wie ein Kropf". Er habe sich gerade mit Experten unterhalten, und die hätten ihn in seiner Ansicht bestätigt, dass eine Kapitalgesellschaft "überhaupt nichts bringt". Besonders dann nicht, wenn der Verein, wie erklärt, zunächst nicht an die Börse gehen wolle. Wenn Hertha BSC Millionen benötige, brauche man "doch nur zur Bank zu gehen". Er hoffe, dass "meine Freunde" so vernünftig sind, ihre Idee aufzugeben.

Herthas Präsident Walter Müller denkt überhaupt nicht daran. Als Leiter der Berliner Niederlassung von Mercedes Benz fühlt er sich mit der wirtschaftlichen Materie bestens vertraut. Gerade erst hat er noch einmal unterstrichen, dass die Gründung einer KG noch in diesem Herbst beschlossen werde. Müller: "Das macht bei einem Jahresumsatz von rund 100 Millionen Mark Sinn."

Derzeit leistet der Präsident Überzeugungsarbeit. Am Montag traf er sich zum dritten Male mit Vertretern von Ältestenrat, Vereinsgericht, Revisisionsausschuss, Vereinsausschuss und den Abteilungen, um sie mit seinen Argumenten von der Richtigkeit der beabsichtigten Umwandlung zu überzeugen. Offenbar mit Erfolg. Laut Günter Herzog, dem Vorsitzenden des Ältestenrats, "befürworten die Organe des Klubs die KG". Das letzte Wort hat die gesamte Mitgliedschaft. Da die Umwandlung nur über eine Satzungsänderung möglich wäre, müsste das mit einer Dreiviertelmehrheit geschehen.

Übrigens: Am Abend des 22. Juni vergangenen Jahres hatte Schwan, damals noch Vorsitzender des Aufsichtsrates, nach einer Sitzung des Gremiums in einem Berliner Hotel den Journalisten stolz mitgeteilt: "Wir haben das Präsidium beauftragt, die Voraussetzungen zur Gründung einer Kapitalgesellschaft zu schaffen." Vom Stolz ist nichts mehr geblieben. Ganz im Gegenteil. Schwan ist eben Schwan.

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