DER  9. SPIELTAG : HSV gegen Leverkusen: Kein normales Spiel!

Die Bundesliga kommentiert von Marcel Reif

Marcel Reif
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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Sie taten natürlich vorher so, als sei es ein normales Fußballspiel, die Partie des Hamburger SV gegen Bayer Leverkusen. War sie selbstredend nicht, weil Bruno Labbadia involviert ist, und zwar jetzt beim HSV. Bruno Labbadia, der einstige Volkstribruno als Stürmer, der in der vorigen Saison in Leverkusen als Trainer lange Zeit den schönsten Fußball der Liga spielen ließ und sich dann nachhaltig und ohne Not und ohne Erfahrung mit der Mannschaft zerrüttete. So sehr, dass sie am Ende mit nichts dastand, mit absolut nichts. Das klang auch gestern noch nach, denn es ist ja nahezu dieselbe Mannschaft, die dem ehemaligen Trainer zeigen wollte, dass sie viel mehr kann, als er ihr in der saisonfinalen Abrechnung nachsagte. Das hat im Ansatz gut geklappt, auch und gerade, weil Labbadias Nachfolger Jupp Heynckes Bayer Leverkusen, diesem so wankelmütigen Bayer Leverkusen, das mal hoch fliegt und dann wieder zu Tode betrübt einher kommt, eine Balance angeeignet hat, mit Reife, mit Disziplin, und auch mit der Geduld, die es braucht, um ab und zu mal ein wenig defensiver zu denken. Grandios steht Bayer hinten drin, und spielt alles andere als einen ermauerten Fußball.

Womit wir beim zweiten Mann wären, der aus diesem ganz normalen Bundesligaspiel ein besonderes macht: Jupp Heynckes. Der ist inzwischen, inklusive Ruhestand, der am längsten unbesiegte Trainer der Liga. Als Jupp Heynckes’ Ära 2007 bei Borussia Mönchengladbach endete, endete sie mit einem 0:0 gegen Nürnberg. Seitdem hat er 14 Spiele nicht verloren. Nun sind es 15. Wenn auch mit Glück und Hyppiä.

Nicht überraschend, dass sich aus dem Treffen einer respektvollen Mannschaft mit einem geschwächten bis absenten Sturm gegen eine respektvolle Mannschaft mit kompakter Abwehr kein spektakuläres Spiel entwickelte. Man neutralisiert sich eben. Mit Leverkusener Pluspunkten im Bereich der Abgeklärtheit. Und auch deswegen ist Bayer weiterhin Tabellenführer. Bayer Leverkusen? Sagen wir es so: Nehmen Sie eine Zigarettenpackung, ziehen Sie das Klarsichtpapier vorsichtig ab und stellen es auf den Kopf vor sich hin. Was sehen Sie da? Den Trophäenschrank von Bayer Leverkusen, mit einem kaum noch sichtbaren Krümel, diesem Uefa-Cup aus dem vorigen Jahrhundert. Der Trophäenschrank des großen Jupp Heynckes ist überladen. Und die menschliche Größe, sein neues Team daran teilhaben zu lassen, die hat Heynckes allemal. Das Wissen, wie so etwas geht, das hat er ohnehin. Nein, ein normales Spiel war das gewiss nicht.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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