Sport : Der Aachen-Münchener

Jan Schlaudraff wechselt nach dieser Saison von der Alemannia zum FC Bayern

Klaus Raab[München]

Es gab noch keine Schlaudraff-Trikots im FC-Bayern-Fanshop, noch keine Schlaudraff-Autogrammjäger am Trainingsgelände, es gab nur eines: Schlaudraff- Gewissheit. Der 23 Jahre alte Nationalspieler Jan Schlaudraff wird von der kommenden Saison an bis 2010 beim FC Bayern München spielen.

Ein kleines äußerliches Zeichen der Freude gab es bei den Münchnern aber doch: Auf den Trainingsplätzen war die einzige vorhandene Trikotfarbe gestern Gelb – die Farbe von Schlaudraffs Verein Alemannia Aachen. Es war, als ob den Münchnern, nachdem die zuletzt meistdiskutierte Personalfrage der Bundesliga zu ihren Gunsten entschieden war, eine große Last von den Schultern gefallen wäre.

Doch natürlich trügte das Bild. Denn erstens hatte sich die Entscheidung Schlaudraffs längst angedeutet: Als der Stürmer am 20. Dezember beim 4:2 gegen den FC Bayern im Achtelfinale des DFB-Pokals eines der außergewöhnlich schönen Tore geschossen hatte, die am Saisonende in Endlosschleife im Fernsehen wiederholt werden, hatte der Münchner Klubmanager Uli Hoeneß nach dem Spiel munter erklärt, das Tor werde Schlaudraff „noch teuer bezahlen“ – ein Hinweis darauf, dass die Vertragsverhandlungen zumindest gut liefen. Und zweitens würden die Bayern vermutlich nicht einmal dann brasiliengelbe Trikots tragen, wenn sie den brasilianischen Nationalspieler Ronaldinho geschenkt bekommen hätten. Was gelb war, waren die Plastikattrappen, die im Training Freistoßmauern simulieren, und sie waren die Einzigen, die dort herumstanden. Bis gestern befand sich die Profimannschaft in der Winterpause. Trainingsauftakt ist heute, wenn die Mannschaft nach Dubai fliegt.

„Wir sind sehr froh, dass sich Jan für uns entscheiden hat“, ließ Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge lediglich vermelden. „Er ist eines der hoffnungsvollsten jungen deutschen Talente. Der FC Bayern bietet ihm eine hervorragende sportliche Perspektive.“

Das tut er vermutlich tatsächlich, denn Schlaudraff, den Aachens Trainer Michael Frontzeck „ein Wiesel“ nennt, ist nicht nur im Sturm einsetzbar, sondern auch hinter den Spitzen, wo die Bayern nicht überbesetzt sind: Mehmet Scholl, der dort zuletzt immer dann zum Einsatz gekommen war, wenn der FC Bayern dringend kreative Hilfe benötigte, wird seine Karriere zum Ende der Saison beenden. „Natürlich ist das ein großer Schritt“, sagte Schlaudraff über seinen Wechsel. „Aber in München sehe ich die Chance, mich weiterzuentwickeln und international zu spielen.“

Für den FC Bayern bedeutet der Wechsel die erste Neuverpflichtung für die kommende Saison, die Hoffnung auf kreativen Fußball sowie die Befriedigung, dass Schlaudraff nicht bei der Konkurrenz spielen wird. Auch Werder Bremen und Borussia Dortmund hatten sich intensiv um Jan Schlaudraff bemüht.

Für Alemannia Aachen bedeutet der Wechsel, dass der Verein die festgeschriebene Ablösesumme von einer Million Euro erhält, vor allem aber auch, dass Schlaudraff noch bis Saisonende in Aachen bleiben wird. „Aus unserer Sicht wird das Jans Leistungen in der Rückrunde nicht blockieren, sondern ihn im Gegenteil eher beflügeln“, sagte Sportdirektor Jörg Schmadtke. Und fügte hinzu: „Es ist gut, dass jetzt Klarheit herrscht.“ Die aber hatte sich allen Exegeten von Beiläufigkeiten längst angedeutet: Auf Schlaudraffs Trikots steht völlig unzweideutig: „Aachen Münchener.“ Die Trikotwerbung der Alemannia, klar. Aber ein Zeichen war es wohl doch.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben