Sport : Der Abend des Gentleman

Der glänzende Torhüter Andrés Palop beschert dem FC Sevilla den Uefa-Cup

Julia Macher[Sevilla]

Selbst im Moment des größten Triumphes blieb Sevillas Torhüter Andrés Palop lieber im Hintergrund. Drei Elfmeter hatte er im nervenaufreibenden Uefa-Cup-Finale gegen Espanyol Barcelona gehalten (2:2, 3:1 i. E.), dazu noch die Vorlage für das 1:0 geliefert. Den Pokal mochte der Keeper dennoch nicht aufs Spielfeld tragen. Noch auf der Treppe drehte sich der für seine guten Manieren bekannte Palop zwei Mal nach Javi Navarro um und drückte dem Kapitän dann einfach den riesigen Kelch in die Hand.

Dabei hätte sich der „Held von Glasgow“ ruhig feiern lassen können. Ohne seine überragende Leistung wäre Sevilla nicht zum zweiten Mal Uefa-Cup-Sieger geworden. Ohne ihn hätten es die Andalusier vielleicht nicht mal ins Endspiel geschafft. Schließlich war es der Torwart, der damals im Achtelfinale gegen Schachtjor Donezk einen Eckball von Daniel Alves ins Tor köpfte und den Titelverteidiger so in die Verlängerung rettete. „Heiliger Andrés“ taufte ihn daraufhin die spanische Sportpresse, und am Mittwochabend hielt der 33-Jährige wieder außergewöhnlich gut.

Andrés Palops große Nacht begann mit einer Torvorlage in der 17. Minute. Nach einer Attacke von Moisés Hurtado warf der andalusische Keeper den Ball bis kurz vor die Mittellinie, fast vor die Füße von Adriano Correia, der in einem rasanten Solo zum gegnerischen Tor sprintete und mit einem herrlichen Tor die Andalusier in Führung brachte. Nur zehn Minuten später erzielte Espanyol Barcelona den Ausgleich. Albert Riera traf mit einem leicht abgefälschten Schuss in die Ecke.

In der zweiten Halbzeit legten die Katalanen an Tempo zu; und wieder war es Palop, der seinen Klub mit Feingefühl und Reaktionsschnelligkeit rettete: Mit den Fingerspitzen tippte er nach Raúl Tamudos Schuss den Ball über die Latte, bei Rieras Attacke zwei Minuten später warf sich Palop zurück ins Tor und schlug den Ball dann gegen das Gehäuse. Zäh zog sich das Spiel nach dem Ausschluss des Barcelona-Profis Moisés Hurtado in die Verlängerung – bis Fréderic Kanouté den FC Sevilla abermals in Führung brachte. Noch einmal schien sich mit Jonatas Domingos überraschendem Ausgleichstor das Blatt zu wenden, die Aktion rettete die Katalanen über die Verlängerung hinaus. Doch dann wiederholte sich für Espanyol Barcelona auf dramatische Weise die Geschichte: Schon einmal hatte der katalanische Verein in einem Uefa-Cup-Endspiel das Elfmeterschießen verloren; die damalige Niederlage gegen Bayer Leverkusen 1988 brennt den Blau-Weißen noch heute in der Seele.

Das Elfmeterschießen war die Krönung eines stimmungsvollen Spiels – und einer überragenden Leistung eines Torwarts. An Palops Talent scheiterte erst Luis García, der während des Anlaufs den Bruchteil einer Sekunde zu lang stoppte, dann Jonatas, schließlich Torrejón. Espanyol Barcelona bleibt international damit weiter titellos. „Das scheint unsere Geschichte zu sein“, sagt Trainer Ernesto, der erkennbar um Fassung rang. „Aber wenn wir schon verlieren müssen, dann so. Wir gehen erhobenen Hauptes.“

Gegen den neuen FC Sevilla zu verlieren, ist keine Schande. In keiner Saison haben die Aufsteiger aus dem Süden so von sich reden gemacht wie in dieser. Mit dem silbernen Kelch im Gepäck träumt der Klub noch von den Titeln in der Liga und im Pokal. Den Helden, den es für solche Erfolgsgeschichten braucht, hat man in Andrés Palop gefunden: Einem gebürtigen Valencianer, der dort stets im Schatten von Santiago Cañizares stand und erst seit dem Wechsel in den Süden zeigen kann, was in ihm steckt. „Eigentlich müssten sie ihm in Sevilla ein Denkmal bauen“, sagte sein Teamkollege Andreas Hinkel, der früher mal beim VfB Stuttgart gespielt hatte. Und der Torhüter selbst? Der bedankte sich wie ein Gentleman bei seiner Mannschaft und fügte bescheiden hinzu: „Vielleicht sieht man mich jetzt nicht nur als Torwart, dem in der Ukraine ein Tor gelang, sondern als einer, der zwischen den Pfosten seine Arbeit macht.“

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