Sport : Der abgebrochene Aufbruch

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Karsten Doneck über Anspruch und Wirklichkeit beim 1. FC Union

Geht er? Geht er nicht? Beim 1. FC Union Berlin steht Trainer Mirko Votava auf der Kippe, und die Abhandlung dieses Themas betreibt der FußballZweitligist aus Köpenick derart dilettantisch, dass der sportlich nicht sonderlich erfolgreiche Votava längst schon wieder einen Bonus für sich in Anspruch nehmen darf: Mitleid für das, was ihm da zugemutet wird. So sollte kein Profiverein seinen Trainer demontieren.

Der Fall Votava hat eine Vorgeschichte, die zurückreicht in den Herbst des vergangenen Jahres. Am 9. Oktober setzte der Aufsichtsrat den damaligen Präsidenten Heiner Bertram ab – mit der Begründung, der Verein würde stagnieren und von Bertram im Stile eines Diktators geführt, personelle und finanzielle Dinge würden nicht genügend abgestimmt. Bertram war weg, und bei Union sollte alles besser werden. 134 Tage später ist alle Aufbruchstimmung dahin. Was in der kurzen Amtszeit von Jürgen Schlebrowski besser geworden ist, lässt sich in einem Wort zusammenfassen: nichts. Sportlich droht weiter der Abstieg, in der Trainerfrage wird nach wie vor nach dem Schaukelstuhlprinzip verfahren: immer schön langsam hin und her. Und Unions üble finanzielle Lage hat sich auch nicht gebessert.

Schlebrowski hat versucht, Union nicht wie Bertram im Alleingang zu führen. Er hat neues Personal geholt: Toni Päffgen als Berater, Oskar Kosche als bezahltes Vorstandsmitglied, Christian Guizetti als Schatzmeister. Für die Einstellung eines wirklich kompetenten Managers reicht aber das Geld nicht. Und so ist keiner da, der die Außendarstellung des Klubs nachhaltig verbessert. Sie ist, wie sie allzu oft war: verheerend.

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