Der Absturz des TSV 1860 : Münchens schwere Liebe

1860 München stolpert in Richtung Dritte Liga. Der einst so populäre Klub interessiert in Bayern immer weniger Menschen interessiert - und ist daran selbst schuld. Ein Kommentar

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Die schlimmste Nachricht für den TSV München von 1860 ist nicht die neuerliche Heimniederlage gegen Heidenheim am Montagabend, Platz 16 in der Zweiten Liga und der drohende Absturz in die Dritte Liga. Es ist auch nicht die immer näher rückende zweite Trainerentlassung dieser Saison, das beständig wechselnde Personal im Präsidium oder die nicht minder beständigen Finanzprobleme im Verein. Nein, das Schlimmste ist, dass das alles immer weniger Menschen interessiert.

Jahrzehntelang war der TSV 1860 München die Nummer zwei in Bayern, oder, falls Nürnberg-Fans an dieser Stelle protestieren sollten, mindestens in Südbayern. Kurzzeitig, so um das Jahr 1966 herum, firmierte der Klub von der Grünwalder Straße sogar als Nummer eins in ganz Deutschland. Doch das ist lange her, gegenwärtig verschwinden die Sechziger in der Bedeutungslosigkeit. Sie verlieren eine ganze Generation an Fans, denn warum sollen sich Kinder in Südbayern in diesen Tagen noch für den Turn- und Sportverein München von 1860 interessieren?

In der Region sind Vereine wie der FC Augsburg in der Ersten Liga oder der FC Ingolstadt in der Zweiten Liga sportlich vorbeigezogen. Der FC Bayern München schwebt bereits in einer ganz anderen Umlaufbahn, hat sich zu einer Weltmarke des Sports entwickelt und blickt bestenfalls mitleidig auf den einstigen Rivalen herab. Den Kultstatus, den der Traditionsverein auch dank des Grünwalder Stadions in der Bayernliga einst genossen hatte, ist in den Nullerjahren vom Chaosklub-Image abgelöst worden.

Münchens große Liebe, wie nicht nur die 1860-Marketingstrategen ihren Klub nennen, ist zwar nicht erloschen. Aber sie gewinnt keine neuen Verehrer und macht es ihren wenigen verbliebenen Liebhabern richtig schwer.

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