• Der Abwehrspieler aus Ghana schwebt beim FC Bayern München zwischen Himmel und Hölle

Sport : Der Abwehrspieler aus Ghana schwebt beim FC Bayern München zwischen Himmel und Hölle

Über Franz Beckenbauers scherzhafte Bemerkung konnte Samuel Kuffour überhaupt nicht lachen. "Mag jetzt keiner mehr neben Dir sitzen, Sammy, weil er Angst hat, dass er sich verletzt?", fragte der Präsident des FC Bayern München den Ghanaer vor dem Abflug des Meisters zum Champions-League-Spiel bei den Glasgow Rangers, weil im Flugzeug die beiden Sitzplätze neben dem 23-jährigen Abwehrspieler leer geblieben waren. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Mit seiner ungestümen Art ist Kuffour in den ersten Spielen nach seiner Knieverletzung für die Mitspieler zu einer Art Berufsrisiko geworden. Beim 2:1-Sieg gegen den PSV Eindhoven sprang "Ghanas Fußballer des Jahres" vor einer Woche dem zweifachen Torschützen Paulo Sergio nach einem Eckball mit voller Wucht ins Kreuz - der Brasilianer muss mit einer Beckenverletzung zwei Wochen pausieren.

Beim denkwürdigen 2:1-Erfolg am vergangenen Sonnabend in Frankfurt krachte Kuffour mit seinem Knie gegen Oliver Kahn - der Nationaltorwart ging K.o. und erlitt eine Gehirnerschütterung. "Das mit Olli war Pech. Es tut mir leid", meinte Kuffour zerknirscht. Bayern-Kapitän Stefan Effenberg konnte von Glück sagen, dass "der sanfte Saboteur" ("Süddeutsche Zeitung") nicht auch noch ihn bei einem unglaublichen Harakiri-Sprung ins Rückgrat verletzt hatte.

"Ich bin kein Killer, wirklich", beteuerte Kuffour, der im Waldstadion wahrlich durch die Hölle ging, weil er auch noch das 0:1 durch Salou sowie einen von Kahn gehaltenen Elfmeter verschuldete. Allein wegen seines Kopfball-Treffers zum 2:1-Endstand landete er am Ende doch noch im Fußball-Himmel. "Das Tor war gut für die Mannschaft und für mich", wusste Kuffour, der seine Emotionen im Erfolg wie Misserfolg gleich auslebt: "Ich weine."

"Wenn sich einer so reinknallt wie der Sammy, dann darf er auch Fehler machen", nahm Uli Hoeneß den 23-jährigen Heißsporn in Schutz. "Sammy war lange verletzt und total übermotiviert, da passieren solche Dinge", begründete der Bayern-Manager seine Nachsicht: "Ich ärgere mich nur, wenn ein Spieler nicht motiviert ist."

Samuel Osei Kuffour aus Kumasi in Ghana ist stets bis in die Haarspitzen motiviert. Die Bayern-Fans lieben den Verteidiger für seine Leidenschaft auf dem Platz. Rotz und Wasser heulte der Mann mit der Trikot-Nummer vier nach der Endspiel-Niederlage in Barcelona gegen Manchester United, "meiner größten sportlichen Enttäuschung".

Als 16-Jähriger kam Kuffour 1993 zu den Bayern. Für Hoeneß ist es "einer der besten Transfers", die der deutsche Meister jemals getätigt hat. Kuffour kostete 500 000 Dollar, heute ist er ein Vielfaches wert - aber unverkäuflich. Bis 2003 haben die Münchner den Afrikaner, den Ex-Trainer Giovanni Trapattoni so gerne mit zum AC Florenz genommen hätte, vertraglich gebunden.

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