Sport : Der Abweiser und die Nerven flattern Wieder einmal mal steht Ferrari

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Von Karin Sturm

Barcelona. Wer gewinnt, steht unter Beobachtung. Wer dauernd gewinnt, noch mehr. Das gilt natürlich auch in der Formel 1. Michael Schumacher, der Weltmeister, gewinnt dauernd. Auch in dieser Saison. Und deshalb ist die Konkurrenz misstrauisch. Mithin droht Schumacher am Sonntag, beim Großen Preis von Spanien in Barcelona (14 Uhr, live in RTL und Premiere) weniger Gefahr von seinen Rivalen auf der Strecke als von Attacken außerhalb des Kurses. Die Gerüchte verdichten sich, dass ein Protest gegen den neuen Ferrari F 2002 geplant ist.

Das Misstrauen macht sich an einem technischen Detail fest: am Unterboden des Ferrari. Der sei am F 2002 beweglich, er würde sich verformen, so dass er unter Belastung sehr stark hafte, wollen Techniker der Konkurrenz festgestellt haben. Sie wollen es an den seitlichen Windabweisern erkannt haben. Die sind mit dem Unterboden verbunden und haben sich angeblich während der Fahrt deutlich bewegt. Das gilt als Zeichen für einen regelwidrigen Unterboden. Angeblich verwendet Ferrari eine neu entwickelte Kohlefaser.

Wenn das stimmt, liegen gleich zwei Regelverstöße vor. Erstens muss der Unterboden flach sein, zweitens sind bewegliche aerodynamische Hilfsmittel eindeutig verboten. Das ist schon seit 1999 im Reglement klar definiert. Denn damals hatten einige Teams Heckflügel aus verformbaren Materialien benützt, die dann bei Belastung besonders häufig brachen Und das war gefährlich. Seither werden solche Teile getestet.

Für Williams-BMW und McLaren-Mercedes, die größten Konkurrenten von Ferrari, ist der F 2002 natürlich ein besonderes Ärgernis. Besser gesagt: Denen ist Ferrari insgesamt ein Ärgernis. Denn Williams-BMW und McLaren-Mercedes fühlten sich in den vergangenen Jahren immer wieder vom Weltverband FIA in der Reglement-Auslegung gegenüber Ferrari benachteiligt. Sie haben damit wohl nicht ganz unrecht. Es gab ein paar umstrittene Urteile zugunsten von Ferrari, etwa 1997 im Streit um die Frontflügel.

Kein Wunder, dass der Ärger nun wieder größer wird und der Konkurrenzkampf auf die juristische Ebene drängen könnte. Ron Dennis, Chef von McLaren-Mercedes, hatte ja zu Beginn der Saison, beim Großen Preis von Brasilien, schon dunkle Andeutungen gemacht: Es gebe da ein Auto, das nicht den Regeln entsprechen könnte. Gegenfrage damals: „Eines, das hier debütiert hat?“ Dennis grinste nur schief.

Und vor zwei Wochen, beim Großen Preis von San Marino in Imola, hielten sich hartnäckig Gerüchte, Williams denke über einen Protest gegen Ferrari nach. Patrick Head, der Technische Direktor, sei dafür gewesen, die anderen im Team aber dagegen, deswegen habe man es am Ende gelassen. Nichts offizielles also. Aber dafür funktionierte die Politik der Flüsterparolen ausgezeichnet. Der technische Delegierte der FIA, der Deutsche Jo Bauer, erhielt so genannte inoffizielle Hinweise. Aber Bauer soll nur müde abgewunken haben. Die Abweiser haben sich bewegt? Na ja, der Ferrari sei halt mit sehr viel Ballast auf dem Unterboden unterwegs gewesen. Befriedigt hat diese Antwort keinen der Ferrari-Konkurrenten. Der Streit wird wohl eskalieren. Ganz offiziell.

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