Sport : Der Allein-Stürmer

Der Erfolg der Bayern hängt von Roy Makaay ab

Daniel Pontzen[München]

Damit Kinder keine Grimassen schneiden, sagen ihnen die Eltern, ihr Gesicht könnte für immer erstarren. Zum Glück ist das Unsinn, wie sich am Wochenende an Oliver Kahn besichtigen ließ. Am Sonnabend hatte der Torwart von Bayern München mehrere Male die Augen zu Schlitzen geformt, die Zähne gefletscht wie eine Hyäne und dazu mit beiden Zeigefingern auf die Stirn getrommelt. Nicht mal Rivalen hätten ihm gewünscht, sein Gesicht hätte auf alle Zeiten diesen Zustand angenommen. Am Sonntag hatte sich Oliver Kahns Miene wieder entspannt, als er am Münchner Trainingsgelände vor die Presse trat. Sein Zorn allerdings war noch nicht verflogen nach der desolaten Defensivleistung seiner Kollegen am Tag zuvor, beim glücklichen 3:1 über Freiburg.

„Wir agieren als Mannschaft nicht gut“, sagte Kahn. Nachdem sich der unerwartet unerfreuliche Saisonstart über Wochen hinzieht, klangen erste Zeichen von Resignation an: „Wir sind ratlos und fragen uns jeden Tag, warum wir so viele Konzentrationsfehler machen.“ Solche hatten seine Vorderleute zum wiederholten Mal in Serie produziert, sodass es einzig Kahns guter Leistung und der Schludrigkeit des Freiburger Angriffs geschuldet war, dass es nicht schon zur Pause zu einem kleinen Fiasko aus Münchner Sicht gekommen war. „Noch gewinnen wir solche Spiele, aber das kann schnell anders kommen“, warnte Kahn.

Es bräuchte sich dazu wohl nur Roy Makaay verletzen. Wieder einmal war es der niederländische Nationalstürmer, der die Wende einleitete. Nach Tel Aviv, Dortmund und Osnabrück verhinderte er zum vierten Mal hintereinander mit einem Tor und einer Vorlage allzu lautes Krisengerede. Trainer Felix Magath sagt: „Roy lässt sich von niemandem abhalten.“ 27 Treffer in 30 Bundesligaspielen chiffrieren seine beinahe beängstigende Verlässlichkeit, doch Makaay selbst weiß, dass die Ein-Mann-Show möglicherweise bald nicht mehr zum glücklichen Ende reichen wird. „Wir müssen besser spielen“, sagte der Torjäger mit sorgenvollem Blick auf das morgige Champions-League-Spiel gegen Amsterdam, „Wenn wir Ajax so spielen lassen, wird es gefährlich.“ Vielleicht, so Magath, seien die kollektive Konzentrationsschwäche und der spielerische Rückschritt auf die nahende Aufgabe zurückzuführen.

Ob sich Sebastian Deisler an der Wiedergutmachung beteiligen kann, ist ungewiss. Magath hatte die Pause des Nationalspielers auf das Spiel gegen Freibug ausgedehnt, mit dem Hinweis, Deisler sei „vom Kopf her“ nicht auf der Höhe. „Er will es oft besonders gut machen, deshalb überlastet er sich“, sagte Magath. Einen Zusammenhang mit der im Frühjahr überstandenen Depression bestehe aber nicht, versicherte Magath: „Das betrifft nur sportliche Dinge.“ Es könne gut sein, dass Deisler morgen wieder im Kader steht.

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