Sport : Der Alt-Meister

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Von Benedikt Voigt

Berlin. Ein Deutscher Meister sieht nicht aus wie Sven Schultze. „Ich freue mich für die Jungs“, sagt der Basketball-Profi, doch Heiterkeit liegt nicht auf seinem Gesicht, als er mit den Spielern von Alba Berlin vor dem Gate Nummer 9 des Flughafens Tegel von Fans und Angehörigen mit Applaus empfangen wird. „Es geht so“, sagt Schultze über seine Gefühle, „ich bin froh, dass es vorbei ist.“ Ein Meister sieht glücklicher aus.

Sven Schultze, 23, ist Deutscher Basketball-Meister des Jahres 2002, und irgendwie ist er es auch nicht. „Ich habe ja wenig dazu beigetragen“, sagt der Flügelspieler. Seit Anfang April, seit bei Alba alle Spieler gesund sind, bekam der deutsche Nationalspieler keine einzige Minute Einsatzzeit. Die Mannschaft hatte sich gefunden, wurde Pokalsieger und Deutscher Meister – ohne ihn. Kein Wunder, dass Sven Schultze zu den ersten Spielern der Berliner zählt, die sich nach einem anderen Verein umsehen. „Ich will spielen“, sagt Schultze, „ich würde gern bei Alba bleiben, aber so auf keinen Fall.“ Der ehemalige Bamberger hat Angebote aus Frankfurt und Leverkusen vorliegen. „Ich möchte auf jeden Fall in Deutschland spielen, bei einem der ersten fünf Vereine der Bundesliga“, sagt Schultze. Auch Alba gehöre dazu. „Man muss sehen, wie die Mannschaft aussieht.“

Das ist die Frage, die auch die Verantwortlichen bei Alba Berlin in den nächsten Wochen beschäftigen wird. Acht Verträge laufen aus, Albas Präsident Dieter Hauert hatte im Frühjahr bereits den großen Umbruch angekündigt. Doch das war, als Alba Berlin in der Bundesliga nur auf Rang fünf landete und in der Europaliga lediglich drei Spiele gewann. Inzwischen sind ein Pokal und ein Meistertitel hinzugekommen. „Das zeigt, dass unser Konzept richtig war“, sagt Trainer Emir Mutapcic. Der Umbruch dürfte nun kleiner ausfallen als geplant.

Am unwahrscheinlichsten ist, dass Stipo Papic bleibt. Der Centerspieler kam wie Schultze in den Play-offs und im Pokalfinale zu keinem Einsatz mehr. Schon im Januar wollte ihn der Verein an Braunschweig ausleihen, doch Papic weigerte sich. „Das war ein Fehler“, hat Präsident Dieter Hauert damals gesagt. Neben den Verträgen der beiden 23-Jährigen laufen noch die Verträge der älteren Spieler aus: Wendell Alexis, Henrik Rödl, Dejan Koturovic, George Zidek, Marko Pesic und Derrick Phelps. Mit wem verhandelt Alba zuerst? Dejan Koturovic, der in den Play-offs immer stärker spielte und im dritten Finalspiel mit 20 Punkten Topscorer war, soll bereits lukrative Angebote anderer Klubs vorliegen haben. Trainer Emir Mutapcic hält sich bedeckt. „Der Centerspieler ist wichtig, aber alle anderen Spieler sind es auch.“ Zum Beispiel Wendell Alexis, der Alba offensichtlich die Meisterschaft garantiert. Seit sechs Jahren spielt der 37-Jährige in Berlin, seit sechs Jahren holt Alba den Titel. Ein Grund mehr, Wendell Alexis zu halten. Mindestens zwei Jahre möchte Albas Topscorer der vergangenen Jahre noch als Basketballprofi spielen. Später möchte er als Manager arbeiten. „Das kann auch bei Alba sein“, sagt Alexis, „aber darüber haben wir noch nie gesprochen.“ Zunächst will er den Berlinern als Spieler erhalten bleiben. Schon im Frühjahr hat der US-Amerikaner das erklärt. In den vergangenen Jahren hatte sich sein Vertragspoker stets bis in den späten Juli oder gar August hingezogen. Diesmal möchte Alexis bis Ende Juni Klarheit, dann reist er mit seiner Familie in die USA.

„Jetzt fängt bereits das neue Jahr an“, sagte Dieter Hauert. Der Präsident wird in den nächsten Tagen gemeinsam mit Vizepräsident Marco Baldi und den Trainern am Konzept für die neue Saison basteln. Am Tag der Meisterschaft mochte Mutapcic partout noch nichts sagen. „Wir wollen jetzt zwei Tage Ruhe haben, Spaß haben und feiern.“

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