Sport : Der Alte ist der Neue

Falko Götz kehrt in der nächsten Saison als Trainer zu Hertha BSC zurück

André Görke,Stefan Hermanns

Von André Görke

und Stefan Hermanns

Berlin. Als Trainer vom TSV 1860 München hat Falko Götz das Medium Internet eifrig für seine Zwecke genutzt. Neuigkeiten hat er zuerst auf seiner eigenen Webseite kundgetan. Seit zwei Wochen aber hat es auf www.falkogoetz.de nichts Neues mehr gegeben. Zum letzten Mal hat sich Götz wenige Tage nach seiner Entlassung beim Fußball- Bundesligisten geäußert: „Falko Götz? Der macht jetzt erst einmal Urlaub, taucht ab und sammelt neue Kräfte um fit zu sein für die nächste Herausforderung.“

Gestern ist Götz wieder aufgetaucht. Um kurz nach halb fünf trat der 42-Jährige mit Dieter Hoeneß vor die Presse, um den Manager von Hertha BSC verkünden zu lassen, was ohnehin viele schon vermutet hatten: Falko Götz wird von der neuen Saison an Trainer des Berliner Bundesligisten. Gestern Nachmittag hat er einen Zweijahresvertrag unterschrieben, der sowohl für die Erste als auch für die Zweite Liga gilt. Die Entscheidung war am Tag zuvor gefallen und von den Gremien des Vereins gebilligt worden.

Herthas Spieler hatten am Mittag erfahren, dass die Trainerfrage geklärt sei, wie die Lösung aussah, wussten sie noch nicht. Trotzdem: „Das ist keine große Überraschung“, sagte Stürmer Artur Wichniarek. In den mannschaftsinternen Diskussionen war es zuletzt nur noch um zwei Namen gegangen: um Ralf Rangnick und um Götz. „Die meisten haben auf Götz getippt“, berichtete Thorben Marx. „Das war am naheliegendsten.“ Hoeneß sagte: „Wir haben uns für Falko Götz entschieden, und nicht gegen Rangnick.“ Herthas Manager hatte immer wieder davon geredet, dass es neben diesen beiden noch einen dritten Kandidaten gegeben habe. Dessen Identität will Hoeneß auch weiterhin geheim halten.

Thom verlängert als Kotrainer

Hertha habe ein klares Anforderungsprofil gehabt, sagte der Manager, und diesem Profil habe Götz entsprochen: „Wir wollten einen Mann mit Perspektive haben. Einer, der den Offensivfußball pflegt. Und eine Lösung, die für uns machbar ist.“ Zudem habe die Entscheidung für Götz den Vorteil, „dass wir ganz genau wissen, mit wem wir es zu tun haben“. Der gebürtige Berliner hat Hertha schon einmal trainiert. Nach einer 0:1-Niederlage bei Energie Cottbus sprang er am 7. Februar 2002 für den entlassenen Jürgen Röber ein. Zu diesem Zeitpunkt wusste Götz allerdings schon, dass sein Engagement befristet sein würde. Für die neue Saison war bereits Huub Stevens verpflichtet worden. „Diesmal passt alles“, sagte Götz gestern. Wie schon in seiner ersten Amtszeit wird Andreas Thom als Kotrainer arbeiten. Sein Vertrag wurde um ein Jahr verlängert.

Artur Wichniarek, der damals noch nicht bei Hertha spielte, sagt über Götz: „Ich habe nur Gutes von ihm gehört.“ Er begann seine Arbeit 2002, als die Mannschaft Siebter war, und führte sie mit neun Siegen aus 13 Spielen und lediglich drei Niederlagen noch in den Uefa-Cup. Bei den Fans ist der frühere Spieler, der 1997 mit Hertha in die Bundesliga aufgestiegen war, äußerst beliebt. Hoeneß hatte schon bei Götz’ Abschied gesagt, dass er eines Tages als Trainer zu Hertha zurückkehren werde; allerdings hatte er wohl selbst nicht gedacht, dass es so schnell gehen werde. Hans Meyer, der Herthas Mannschaft noch bis zum Ende dieser Saison trainiert, hält es für einen „Riesenvorteil, dass der Dieter den Falko kennt“.

Götz sagte, er habe „nach wie vor eine sehr hohe Identifikation mit dem Verein“. Mit fünf seiner künftigen Profis – Niko Kovac, Christian Fiedler, Michael Hartmann, Pal Dardai und Andreas Schmidt – hat er selbst noch bei Hertha gespielt. Kovac sagte: „Ich kenne ihn als Mensch, ich kenne ihn als Spieler. Als Trainer kenne ich ihn noch nicht.“

Bei Hertha wurde Götz für seinen Stil und seine Erfolge gefeiert. Bei 1860 München aber hat er auch die Schattenseiten des Berufs kennen gelernt. Die Mannschaft stürzte unter seiner Leitung auf einen Abstiegsplatz, Götz wurde schließlich vor laufender Fernsehkamera von Sechzigs Vizepräsident Hans Zehetmair entlassen, noch bevor ihm selbst die Entscheidung mitgeteilt worden war.

In München hatte Götz konsequent auf junge Spieler gesetzt. Und obwohl dieses Konzept in der Tabelle nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, hat es den Trainer für Hertha wieder interessant gemacht. Dieter Hoeneß hat einen Trainer gesucht, der die erfolgreiche Nachwuchsarbeit des Klubs fortsetzt. Götz selbst hat sie früher als Amateur- und Jugendkoordinator entscheidend geprägt. Aus ihr ist zum Beispiel der U-21- Nationalspieler Thorben Marx hervorgegangen. Götz holte den Mittelfeldspieler vorzeitig aus der A-Jugend zu den Amateuren und machte ihn später bei den Profis zum Stammspieler. „Unter ihm habe ich meine größten Fortschritte gemacht“, sagt Marx. „Er ist ein richtig guter Trainer.“

Fredi Bobic glaubt, dass durch die Entscheidung in der Trainerfrage nun wieder Ruhe im Verein einkehren werde. Auch Manager Dieter Hoeneß äußerte die Hoffnung, „dass wir uns jetzt wieder auf das Wesentliche konzentrieren können“. Das Wesentliche heißt bei Hertha immer noch Abstiegskampf.

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