Sport : Der Alte ist der Neue

Svetislav Pesic wird zum zweiten Mal in seiner Karriere Bundestrainer der deutschen Basketballer.

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Berlin - Eigentlich sind alle wirklich herausragenden Erfolge des deutschen Basketballs mit zwei Namen verbunden: Der eine lautet Dirk Nowitzki, der andere Svetislav Pesic. Und da es unwahrscheinlich ist, dass Nowitzki noch einmal das Trikot des Deutschen Basketball-Bunds (DBB) tragen wird, erscheint es nur logisch, dass sich der Verband erneut die Dienste des anderen Erfolgsgaranten gesichert hat. Am Mittwoch teilte der DBB mit, dass der 62 Jahre alte Pesic im Sommer zum zweiten Mal die Nationalmannschaft übernimmt. Der Serbe hatte das deutsche Team bereits von 1987 bis 1993 betreut und im eigenen Land 1993 sensationell zum EM-Titel geführt.

Schon in den vergangenen Wochen hatte alles darauf hingedeutet, dass der DBB Pesic als Nachfolger von Dirk Bauermann favorisierte. Bauermann, Coach von Aufsteiger Bayern München, hatte das Amt nach der EM im vergangenen Herbst aufgeben müssen, weil die deutsche Basketball-Liga (BBL) eine Doppelfunktion als National- und Bundesligacoach verbietet. „Ich bin sehr froh, dass wir mit einem so erfolgreichen und renommierten Coach wie Pesic zusammenarbeiten können. Er ist genau der Trainer, den wir uns vorgestellt haben“, sagte DBB-Präsident Ingo Weiss. Pesic ließ über den Verband mitteilen, er „freue sich sehr“ auf die kommende Aufgabe: „Ich glaube, dass mit der deutschen Nationalmannschaft noch so einiges zu erreichen ist.“

Nach dem Gewinn der EM 1993 hatte Pesic bei Alba Berlin eine Ära aufgebaut, in seine Zeit bei den Berlinern fallen der Korac-Cup-Sieg 1995 sowie vier Meisterschaften und zwei Pokalsiege. Anschließend wurde er als Nationaltrainer Jugoslawiens Welt- und Europameister und gewann mit dem FC Barcelona das Triple aus spanischer Meisterschaft, spanischem Pokal und Europaliga. Nach weiteren Engagements in Spanien, Russland und Italien arbeitet Pesic zurzeit bei Roter Stern Belgrad. Das Engagement beim serbischen Traditionsklub soll nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ noch mindestens eine Saison weiterlaufen, der DBB will Details der Übereinkunft erst am 6. März verkünden.

Langfristiges Ziel für den neuen alten Bundestrainer ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016. Ohne den heute 33 Jahre alten Nowitzki – der seinen Rücktritt aus dem Nationalteam allerdings noch nicht offiziell erklärt hat – erscheint diese Aufgabe auch für einen Meistermacher wie Pesic übergroß. Zuletzt schied das deutsche Team bei zwei Europameisterschaften und einer Weltmeisterschaft vor dem Viertelfinale aus und verpasste auch Olympia in London. Das Nahziel hingegen, die auf 24 Teilnehmer aufgeblähte EM 2013 in Slowenien, dürfte Pesic auch mit dem relativ jungen deutschen Kader erreichen. Dazu muss er die Qualifikation im kommenden Spätsommer überstehen und in der dankbaren Gruppe mit Luxemburg, Schweden, Aserbaidschan und Bulgarien mindestens Zweiter werden. Sein Pflichtspieldebüt wird er im Heimspiel gegen Luxemburg am 18. August geben, der Austragungsort steht noch nicht fest.

Es dürfte Svetislav Pesic nicht schwer fallen, sich bis dahin mit seinen potenziellen Nationalspielern vertraut zu machen. Die Kontakte nach Deutschland hat der Coach nie abreißen lassen. Sein Sohn Marko Pesic arbeitet als Sportdirektor beim FC Bayern, bei dem auch Schwiegersohn und Nationalspieler Jan Jagla unter Vertrag steht. „Er weiß genau, wie er Basketball spielen will und welche Erfolge er damit schon erzielt hat“, sagt Jagla.

Eine Sensation wie den EM-Titel vor 19 Jahren darf man von Svetislav Pesic nicht erwarten. In der Bedeutungslosigkeit, wie vor seiner ersten Amtszeit, wird der deutsche Basketball allerdings mit ihm sicherlich auch nicht verschwinden.

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