Sport : Der alte Mann und das Eis

Rodel-Olympiasieger Georg Hackl ist mit 37 Jahren zwar immer noch Weltklasse, aber nicht mehr Spitze in Deutschland

Hartmut Moheit

Berlin. Über Politik möchte Georg Hackl an diesem Nachmittag partout nicht sprechen, schließlich sei gerade Rodelsaison. „Nein“, sagt der 37-Jährige bestimmt, er habe zu schlechte Erfahrungen gemacht, wenn er sich darauf eingelassen habe. Bündnis 90/Die Grünen hatten Hackl in seiner Funktion als CSU-Abgeordneter im Kreistag des Berchtesgadener Landes beispielweise bescheinigt, er habe „einen Trainingsrückstand in Sachen Kreistag“. Ausgangspunkt dafür war Hackls Interview im Frühjahr, in dem er sich für ein umstrittenes Umweltprojekt eingesetzt hatte. Das hatte bei den Grünen zur Schlussfolgerung geführt: „Bevor er wieder in die richtige Spur kommt oder gar grüner als die Grünen wird, hat er noch einiges nachzuholen.“

Darüber und über sein politisches Wirken insgesamt will der dreimalige Olympiasieger diesmal kein Wort verlieren. Er spricht von „Neid als Charaktermerkmal“ bei seinen Gegnern, dass er „im Winter politisch ohnehin kürzer trete, und sagt zudem, er habe „ein Mandat für sechs Jahre“. Das soll es aber zu diesem Thema gewesen sein. „Schluss, aus und basta“, sagt Hackl noch einmal.

Beim Thema Sport begibt sich der Bayer zunächst in die Rolle des Oberlehrers, der erst einmal grundsätzlich erklären muss, warum man nicht immer gewinnen könne. „Also, der Sport funktioniert so“, erklärt Hackl, „da gibt es 50 Rodler in der Welt, die wollen alle gewinnen.“ Natürlich will das auch der Berchtesgadener. Dass ihm ein Sieg bei den bisherigen Weltcuprennen nicht gelungen ist, begründet er zunächst damit. Er sagt aber auch, dass er es als Senior im internationalen Rodelgeschäft viel schwerer habe. Da ist zum Beispiel der Rücken, mit dem er nach seinem Bandscheibenvorfall 1997 sehr vorsichtig umgehen müsse. „Ganz klar, dass ich jetzt Defizite am Start habe.“

Es wäre aber nicht der Kämpfer Georg Hackl, den seit Jahren eine Arthrose-Erkrankung plagt, wenn er nicht hinzufügen würde: „Ich werde den Rückstand eben auf der Bahn aufholen müssen.“ Beruhigende Worte bekommt er auch von Bundestrainer Thomas Schwab: „Schorsch hat das Rodeln ja nicht verlernt.“ Aber der Schlitten aus eigener Werkstatt, an dem er nächtelang getüftelt hat, läuft nicht nach Wunsch. Wer glaubt, der Routinier würde mit Neid auf die Leistungen der jüngeren Rodler sehen, der irrt. „Ich bin schon viel zu lange im Geschäft, um ihnen das nicht zu gönnen.“ Hackl schwärmt sogar von den beiden Thüringer Talenten Jan Eichhorn und David Möller. Die beiden wiederum loben ihn, weil er ihnen immer mit Tipps weitergeholfen habe.

Ganz bewusst sucht Hackl die Nähe zu den Oberhofern, allerdings dann nicht mehr, wenn die jungen Burschen abends auf Tour gehen. „Bis in die Puppen rumziehen und die Mädels anmachen, da bin ich nicht dabei“, sagt er. „Da sitze ich lieber mit den Trainern zusammen und trinke mein Weißbier.“ Ob Georg Hackl bei den Weltklasserodlern im eigenen Lager, von denen David Möller in Calgary seinen ersten Weltcupsieg schaffte, noch seine sechste Olympiateilnahme erlebt, sieht er „als völlig offen“ an.

Doch dem 31-maligen Weltcupsieger ist nicht danach zumute, etwa der Echo-Rufer auf dem Königssee zu werden. Nein, Hackl zieht es zur Trainertätigkeit: „Ich werde später meine Erfahrungen bestimmt nicht mit ins Grab nehmen.“ Er möchte dann das Rodeln allgemein nach vorn bringen. Das ist auch der Grund dafür, dass er nicht jetzt bereits das eine oder andere Talent fördert. Hackl erklärt das mit einem alten russischen Sprichwort: „Wenn du dich vor einem Menschen verbeugst, dann drehst du den anderen den Rücken zu.“ Ob er das auch als Volksvertreter in Bayern so sieht, ließ er offen.

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