Sport : Der alte Seemann

Segler Hagen startet mit 49 Jahren bei Olympia

Sina Steinmann[Kiel]

Der Auftakt zur Kieler Woche verlief für Alexander Hagen und Jochen Wolfram eher mäßig: Platz zehn im ersten Rennen. Seitdem tobt der Sturm über der Förde. In Kiel gibt es viele Zwangspausen. Genügend Zeit also für Hagen, über den wahr gewordenen Traum der zweiten Olympiateilnahme zu philosophieren. „Für uns ist das wie Weihnachten kurz vor der Bescherung“, sagt der Segler. „Allerdings müssen wir die Bescherung selbst organisieren.“

Hagen ist der Älteste in der deutschen Segler-Mannschaft. Mit 49 Jahren ist er gerade ein halbes Jahr jünger als sein neuer Teamchef Jochen Schümann. Doch nun will Hagen bei den Olympischen Spielen noch einmal angreifen. Als einziger deutscher Starboot-Steuermann in der Geschichte der ältesten olympischen Segeldisziplin hat Hagen bereits zwei Weltmeistertitel ersegelt. 1981 und 1997 erwarb er sich die damit verbundenen goldenen Sterne, die nur Starboot- Champions im Segel tragen dürfen. 16 Jahre lagen zwischen den beiden Titeln.

Jetzt sind es wieder 16 Jahre, die zwischen Hagens erstem und zweitem Olympiaeinsatz liegen. „Das ist doch ein gutes Omen“, sagt der Motorrad-Fan und Harley-Davidson-Sammler. Der Steuermann, dem ein enormes Talent ebenso nachgesagt wird wie mitunter mangelnder Trainingsfleiß, stellt klar: „Die Teilnahme an den Olympischen Spielen bedeutet sehr viel, keine Frage. Aber eine Medaille zu gewinnen, das ist alles.“ Erst seit Mai 2003 sitzt Hagen mit dem Hubschraubermechaniker Jochen Wolfram aus Damme in einem Boot. Mit Platz vier bei der Europameisterschaft 2004 hat das Duo unerwartet die im Schnitt 20 Jahre jüngere Konkurrenz ausgeschaltet und sich die Qualifikation für Athen gesichert.

Hagen ist ein ziemlich lockerer Typ. Er mag zum Beispiel keine Hotels. Lieber übernachtet er in seinem VW-Bus – auch bei Wettkämpfen. Er genießt es, wenn er morgens aus seinem Auto steigt, die Vögel zwitschern hört und sich dann in aller Ruhe sein Frühstück zubereitet.

Im vergangenen Jahr brach sich Hagen beim Kite-Surfen die Schulter und rechnete kaum noch mit der Olympiaqualifikation. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm aber nicht. „Klar, wir sind so ein bisschen Außenseiter. Aber soll keiner denken, dass wir in Athen keine Medaille gewinnen können. Auch nicht Herr Schümann."

Den Herrn Schüman mag der Herr Hagen gar nicht. Jochen Schümann, der Teamchef, hatte sich trotz Hagens gelungener Qualifikation für eine Verlängerung der Ausscheidung zwischen Hagen und Wolfram sowie Marc Pickel und Ingo Borkowski eingesetzt, weil er die Ausschreibung anders interpretiert hatte als die Funktionäre des Deutschen Segler-Verbandes. Der Hamburger bewertete Schümanns Intervention als persönlichen Affront, Schümann dagegen wollte von beiden Teams mehr Leistung sehen. Inzwischen ist die Auseinandersetzung beendet. Ein klärendes Wort zwischen dem Doppelweltmeister und dem dreimaligen Olympiasieger steht allerdings immer noch aus.

Hagen geht das Unternehmen Athen optimistisch an. „Wer ans Glück glaubt, der hat es auch.“ Doch nur mit Sprüchen, die gut klingen, bereitet er sich nicht auf die Spiele vor. Vor der Kieler Woche hat er deshalb Doppelolympiasieger Mark Reynolds aus den USA für drei Trainingstage angeheuert. „Leider konnte uns Mark nicht den Schlüsseltrick zum Olympiagold zeigen“, sagt Hagen scherzhaft. „Aber wir haben beispielsweise unsere Starttechnik verbessern können.“ Reynolds Urteil über den Deutschen fällt nüchtern aus: „Alex war zweimal Weltmeister. Der weiß, was man zum Siegen braucht. Allerdings ist die Qualität der Starboot-Segler bei den Olympischen Spielen ungeheuer gut.“ Alle 17 Teams, die an den Start gehen werden, könnten eine Medaille gewinnen.

Mit dem Starboot namens „Felicitas“ soll das Hagen glücken. Hagen hat es nach seiner Tochter benannt, und die ist gerade 16 Jahre alt. Vielleicht ist das ja noch ein gutes Omen.

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