Sport : Der Alte

Drei Nationalspielerinnen verlassen Turbine Potsdam, auch wegen des Trainers Bernd Schröder

Helen Ruwald

Berlin - Noch stimmt die Quote. Acht Spielerinnen von Turbine Potsdam waren vor einer Woche beim 6:3 im Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Japan dabei. Beim Algarve-Cup im Januar wird eine Spielerin schon nicht mehr von Potsdam abgestellt: Britta Carlson hat angekündigt, den Verein Ende Dezember zu verlassen. „Ich bin mit dem Trainer nicht mehr auf einen Nenner gekommen“, sagt sie. Sie ist nicht die Erste. Im Sommer verabschiedeten sich die Nationalspielerinnen Petra Wimbersky und Karolin Thomas – wegen Trainer Bernd Schröder, dessen ruppige Art nicht jedermanns Sache ist. „In dieser Saison brechen wir noch nicht auseinander“, sagt Nationalspielerin Conny Pohlers. „Aber es wäre schön, wenn sich nächste Saison etwas ändert. Sonst könnte es schon sein, dass noch mehr gehen.“

Potsdam – Meister, Pokalsieger und Uefa-Cup-Finalist 2006 – ist in dieser Saison in Meisterschaft und Pokal bereits gescheitert und steht in der Bundesliga abgeschlagen auf Platz fünf. Eine schwache Saison nach extrem erfolgreichen Jahren ist weder unnormal noch dramatisch, doch in Potsdam gärt es. „Viele sind unzufrieden“, sagt Pohlers. „es tröpfelt so dahin. Neuer Wind könnte gut tun.“

Während Wimbersky genug von Schröders Menschenführung hatte, führt Britta Carlson zumindest offiziell sportliche Gründe für ihren Abschied an. Nach längerer Verletzungspause wechselte Schröder sie mehrfach aus, zudem „fühle ich mich schon länger nicht mehr so wohl hier, da leidet auch die Leistung. Diese Entscheidung fällt mir sehr schwer. Aber wenn man ohne Spaß beim Training ist, bringt es nichts.“ Kleinigkeiten summierten sich, und Carlson entschloss sich, Turbine ein halbes Jahr früher als geplant zu verlassen. Im Sommer wollte sie ohnehin nach Norddeutschland zurückkehren. „Schröder ist aber kein Unmensch“, betont sie. „Unter vier Augen kann man mit ihm reden. Ich will keine schmutzige Wäsche waschen.“ Auch Schröder sagt, „dass wir uns nicht gestritten haben. Britta ist 28 und will 2007 zur WM, da hat sie den Anspruch, Stammspielerin zu sein.“ Und der Abschied mehrerer Nationalspielerinnen in kurzer Zeit? „Im Zweifelsfall ist der Trainer der Schuldige“, sagt Schröder und klingt nicht überzeugt. Ob er zu schroff sei? „Das sind Legenden“, hat er unlängst gesagt, „jeder, den ich angeblich schon erschossen habe, läuft noch über den Trainingsplatz.“

Der Unterstützung des Vereins kann Schröder sich sicher sein. „Es ist eine weise Entscheidung, Schröder zu halten“, sagt Präsident Günter Baaske, „er ist der beste Trainer, den wir haben können.“ Schon vor drei Jahren habe es Rufe nach Schröders Ablösung gegeben, „dann folgten drei sehr erfolgreiche Jahre“. In dieser Zeit wurde Turbine einmal Uefa-Cup-Sieger, zweimal Meister und dreimal DFB-Pokal-Sieger. Auf den Abschied einiger Nationalspielerinnen angesprochen, verweist Baaske auf die acht Potsdamerinnen, die in Karlsruhe dabei waren. Wer da noch den Trainer in Frage stelle, „soll die Klappe halten“.

Fakt ist, und das macht die Sache nicht einfacher, dass es Turbine Potsdam ohne Schröder nicht gäbe. Schröder ist Turbine Potsdam. 1971 gründete er das Frauenteam, alle Erfolge sind mit ihm verbunden. Seit Jahren setzt er auf sehr junge Spielerinnen, die in Massen den Sprung in die diversen DFB-Teams schaffen. Hat Schröder den Trainerposten auf Lebenszeit sicher? Quasi schon, meint der neue Geschäftsführer Bernd Kühn. Schließlich „hat er Turbine aus der Taufe gehoben und macht das alles ehrenamtlich. Da wäre es nicht korrekt...“ Er lässt den Satz unvollendet. Auch Conny Pohlers weiß, „dass wir Schröder viel zu verdanken haben. Aber es gibt Abnutzungserscheinungen.“ Ein neuer Mann würde vielleicht gut tun und wäre eine neue Herausforderung, glaubt sie.

Morgen (11 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion) tritt der FCR Duisburg in Potsdam an. Der Bundesligist hat sich kürzlich von Nationalspielerin Inka Grings getrennt, nachdem sie Trainer Dietmar Herhaus öffentlich kritisiert hatte. Mittlerweile ist Herhaus zurückgetreten. Die Mannschaft hatte ihm mitgeteilt, dass er sie nicht mehr motivieren könne. „Er hat gesagt, dass er die Ohren, nicht aber die Herzen der Spielerinnen erreicht“, berichtet der Vorstandsvorsitzende Ferdi Seidelt. Der Lehrer Herhaus trat als Trainer zu oberlehrerhaft auf.

Eine Quasi-Abwahl des Trainers kann sich Pohlers in Potsdam nicht vorstellen. Am liebsten sähe sie es, wenn Schröder statt als Trainer künftig im Hintergrund wirken würde. „Aber das ist ihm schwer zu vermitteln, da es sein Verein ist.“

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