Sport : Der Altmeister

Mit 55 Jahren holt Capitals-Präsident Lorenz Funk als Spieler noch einmal einen Titel – in der Regionalliga

Claus Vetter

Berlin. Natürlich war es Schabernack, gestern in der Deutschlandhalle. Da stapfte vor der Partie der Eishockey-Regionalliga Ost zwischen den Capitals und den Jungfüchsen Weißwasser ein Karnevalsverein auf dem Eis herum. Und nachdem die Teams aufgelaufen waren, kam die Eismaschine aufs Eis zurück. Die Haube des Gefährts öffnete sich, heraus sprang der Hauptdarsteller des Nachmittags: Lorenz Funk, Präsident der Capitals, feierte sein Comeback als Spieler. Mit beeindruckenden statistischen Werten: Der 225fache Nationalspieler ist 55 Jahre als, wiegt barocke 120 Kilogramm.

3400 Zuschauer wollten eine Gaudi sehen und wurden ein wenig enttäuscht. Das Comeback war – gemessen an den Voraussetzungen, die ein gestandener Weißbiertrinker in bestem Alter hat – passabel: Funks erster von 14 Einsätzen dauerte stolze 26 Sekunden, beim Treffer zum 5:1 der Capitals blockte Funk gewichtig den Weg für den Puck frei, in der vorletzten Minute schoss der Tölzer sogar selbst aufs Tor. Nach dem Spiel musste Funk etliche Ehrenrunden absolvieren, mit Kapitän Georgi Kimstatsch zum unvermeidlichen Ketchup-Song einen Tanz aufs Eis legen und unter dem Jubel der Fans die Meisterschale in die Höhe recken. Die Capitals siegten mit 6:1, gehen nun in die am 24. Januar beginnende Aufstiegsrunde zur Oberliga. Die sportlichen Ambitionen des Klubs waren noch kein Thema. Selbst Trainer Andreas Brockmannn zeigte sich vom Auftritt seines Onkels beeindruckt. „Ich habe als 17-Jähriger gegen Lenz, später mit ihm gespielt, hatte ihn als Trainer, Manager, Präsident und nun als Spieler“, sagte Brockmann. „Das ist doch unglaublich.“

Der neue Spieler der Capitals verschmähte indes nach der Arbeit sein Lieblingsgetränk, auf das er während wochenlanger Vorbereitung verzichtet hatte, griff zum Wasser statt zum Weißbier. „Mir geht es nicht gut, sondern sehr gut“, sagte Funk. „Ich war nur sauer auf den Trainer, weil er mich viel zu wenig eingesetzt hat.“ Wahrscheinlich war es der – nicht ernst gemeinte – Disput mit Brockmann, der Funk dazu bewog, nach nur einem Spiel wieder seinen Rücktritt als Aktiver zu verkünden – fürs Erste jedenfalls.

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