Sport : Der amerikanische Traum

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Von Christoph Daum

Für die Amerikaner war Fußball lange etwas bizarr, sie konnten mit diesem Sport nichts anfangen. Aber 1978 überraschte die damalige, kaum bekannte National American Soccer League mit einer mutigen Erklärung: Im Jahr 2010 wollen wir Fußball-Weltmeister werden! Heute stehen die Amerikaner immerhin schon im Viertelfinale einer WM - nach einer außergewöhnlichen Entwicklung.

Anders als in Europa und Südamerika gab es hier keine Basis. Also, so die Idee, musste der Fußball eben von oben aufgebaut werden. Zunächst pumpten die Amerikaner viel Geld in die Soccer League, verpflichteten Spieler wie Beckenbauer und Pele.

Doch neben Football, Baseball und Basketball hatte Soccer einen schweren Stand. Medien und Werbung zeigten kaum Interesse. Der Vereinsfußball konnte sich nicht durchsetzen, die Soccer-Freunde wichen auf Schulen und Universitäten aus. Das funktionierte dann, und wie: Innerhalb weniger Jahre stieg die Zahl der Spieler von 2,5 Millionen auf heute über 25 Millionen, darunter sehr viele Mädchen und Frauen. Der Motor waren Eltern, Schüler und der gesunde Optimismus der United States Soccer Federation. Überall entstanden Trainingszentren mit gigantischen Ausmaßen. Fitness, Willensstärke, Kampfbereitschaft und taktisches Verständnis wurden mit einer immer besser werdenden Technik in Einklang gebracht.

Es ist schon beeindruckend, mit welcher Hingabe, Begeisterung und Disziplin die US-Boys heute auftreten. Ihr Trainer Bruce Arena hat es verstanden, die teilweise noch fehlende spielerische Qualität durch Lockerheit, Teamgeist und Ergebnisdenken auszugleichen. Die Amerikaner fühlen sich wohl in ihrer Außenseiterrolle und werden nur zu gerne unterschätzt. Dazu kommt, dass Bruce Arena das Versteckspiel liebt. Kein Wort im Vorfeld über die mögliche Aufstellung. Überdies kennen viele seiner Spieler - Sanneh, Hejduk, Reyna, Donovan, McBride - den deutschen Fußball ganz genau.

Trotz allem ist Rudi Völlers Mannschaft im Vorteil - wenn sie nicht den Fehler macht, die Amerikaner zu leicht zu nehmen. Die haben zwar Respekt, aber keine Angst. Und auch den Respekt muss man sich in jedem Spiel aufs Neue hart erarbeiten.

Der Fußballlehrer Christoph Daum analysiert an dieser Stelle täglich die WM.

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