Sport : Der andere Brasilianer

Daniel Pontzen

Beinahe wäre Giovane Elber zu spät aus Brasilien nach Deutschland zurückgekehrt, und das zu seinem Abschiedsspiel. Es wäre seine erste verspätete Rückkehr gewesen, was dringend erwähnenswert ist, da verspätete Rückkehren neben Übersteigern und Dribblings ja fraglos zu den Spezialitäten brasilianischer Fußballer zu zählen sind.

Neben ebenjener Angewohnheit offenbarten viele Bundesliga-Brasilianer das, was man, wenn es nicht politisch inkorrekt wäre, als weitere Macken bezeichnen könnte – wie ausgesuchte Beispiele belegen: Amoroso etwa, der Arbeitsverträge allenfalls deshalb ernst nahm, weil er darauf sein Autogramm üben konnte. Oder Ailton, der an guten Tagen in seiner Zweitprofession als praktizierender Sprachforscher zwar abendfüllend komisch sein konnte, an schlechten indes abenteuerlich übellaunig. Oder, harmloser: Dunga, der sich stets so ruhig und unscheinbar verhielt, dass viele bis heute von ihm glauben, er habe abseits des Spielfelds gar nicht existiert. Oder Jorginho, ein gewiss untadeliger Mensch, als solcher jedoch manchmal deswegen anstrengend, weil er bei jedem Interview spätestens in den zweiten Satz einen Gottes- und/oder Jesusbezug einflocht. (Auf Marcelinho wird hier aus Platzgründen verzichtet.)

Divenhaftigkeit, übertriebene Ernsthaftigkeit, Eigensinn, Sturheit all jene Dimensionen brasilianischer Exzentrik waren Giovane Elber fremd. Sogar als sie ihm in München 2003 eröffneten, er möge doch jetzt bitte schleunigst Roy Makaay Platz machen, waren weder Wut noch Wimmern zu hören. Kaum ein Star hat in der Liga einen derart bleibenden, fröhlichen, entspannten Eindruck hinterlassen wie Elber. Gestern ist er noch einmal nach München zurückgekehrt, die Bayern haben ihm ein Abschiedsspiel spendiert. Elber war rechtzeitig da. Wie immer.

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