Sport : Der andere Friedrich

Klinsmann beruft den Mainzer zum Länderspiel

Daniel Meuren

Mainz - So ganz wollte es Manuel Friedrich nicht glauben, dass er ab sofort zur deutschen Elite gehört. „Noch bin ich nicht Nationalspieler, sondern nur für den Kader nominiert“, sagt der 26 Jahre alte Innenverteidiger. „Aber sollte ich gegen die USA spielen, werde ich alles tun, um das Vertrauen des Bundestrainers zu rechtfertigen.“

Mit dem ersten deutschen Nationalspieler in der Geschichte des FSV Mainz 05 hat sich Jürgen Klinsmann einen ungewöhnlichen Profi in den Kader für das Testspiel gegen die USA geholt. Friedrich bekennt sich dazu, dass Fußball nicht alles in seinem Leben ist. Den Premiere-Decoder hat er, weil er sich für Filme und Golf interessiert. „Und da passiert es wirklich selten beim Zappen, dass ich mal bei einem Fußballspiel hängen bleibe“, sagt Friedrich. „Ich schaue eben nicht gerne anderen beim Kicken zu. Wenn mich aber nachts um vier jemand weckt und mir einen Ball vor die Füße wirft, dann bin ich immer dabei.“

Vor drei Jahren war an Kicken für Manuel Friedrich nicht zu denken. Damals hatte er sich zweimal in kurzer Zeit am Kreuzband verletzt, die Invalidität drohte. Sein damaliger Bremer Trainer Thomas Schaaf zweifelte zudem nach seiner Rückkehr auf den Fußballplatz an der Einsatzbereitschaft und körperlichen Härte seines vermeintlich verletzungsanfälligen Verteidigers. Daraufhin durfte der für rund 2,5 Millionen Euro von Mainz nach Bremen transferierte Friedrich wieder nach Mainz zurück, in die Zweite Liga. In Mainz verpasste der in seiner Jugend durch Mitgliedschaften in Volleyball-, Turn-, Tischtennis- und Leichtathletikauswahlen sportlich vielseitig geschulte Fußballer seither keine einzige Spielminute. Dank seines Stellungsspiels und seiner Kopfballstärke war er Garant für den Bundesligaaufstieg 2004 und den Klassenerhalt 2005.

Seit der Verletzung von Torwart Dimo Wache ist Friedrich in der Rückrunde auch noch Kapitän. Diese zusätzliche Last nimmt er auf eigene Weise wahr. Bei der Jahreshauptversammlung des Klubs war er freiwillig als einziger Spieler anwesend. Dieses Interesse dürfte auch Jürgen Klinsmann in seiner Vorliebe für eigenständige Profis gefallen.

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