Sport : Der andere Harting

Der Diskus-Weltmeister redet ungewöhnlich leise

von
Etwas ruhiger. Robert Harting nahm sich nach dem Jubeln zurück. Foto: dpa
Etwas ruhiger. Robert Harting nahm sich nach dem Jubeln zurück. Foto: dpaFoto: dpa

Daegu - „Der Harting“ nennt sich Robert Harting, und so lautet auch seine Internetadresse. Am Dienstagabend hätte man den Berliner Diskuswurf-Weltmeister umbenennen können in: „Der andere Harting“. Denn ganz anders als sonst präsentierte sich der 26-jährige Athlet des SC Charlottenburg. Wenn Harting das Wort ergreift, wird es in der Regel laut, manchmal lustig und manchmal derb.

Doch 90 Minuten nach seinem Sieg bei der Leichtathletik-WM erlebt man einen anderen Harting. In den Katakomben des Stadions von Daegu sitzt er auf einer Betonstufe, gibt Interviews und streckt sein verletztes Knie aus. Er spricht über seine Verletzung, seinen Wettkampf, seine Pläne und über einen in Afghanistan gefallenen Freund, dem er seine Goldmedaille gewidmet hat. Dabei redet Harting besonnen, ruhig und fast schon leise.

Im Mai, erzählt Sportsoldat Harting, habe er im Autoradio die Nachricht von einem gefallenen Bundeswehrsoldaten gehört. „Ich habe den Sender umgestellt, doch dann kam die Nachricht wieder. Dann habe ich das Radio abgestellt. Kurz darauf bekam ich einen Anruf, dann war klar, dass es sich um meinen Kameraden handelte“, erzählt er. Den Sieg von Daegu widmete er seinem gefallenen Freund. „Ich war noch nie bei einer Beerdigung, das war eine schlimme Erfahrung.“

Dass Harting trotz seiner Kniesehnenprobleme – in Bälde will er entscheiden, ob er sich operieren lässt – hoch motiviert in das WM-Finale gegangen ist, belegen zwei Aussagen von Hochspringer Raul Spank, der sich im Athletendorf mit Harting ein Appartement teilt. „Ans Schwarze Brett hat er einen Zettel angepinnt, auf dem steht: ,Die anderen sind hier, um zu verlieren!‘“, erzählt Spank. „Er strotzte vor Energie, das ist schon ansteckend.“ Wie die Ansteckung sich auswirken könnte, wird man heute sehen. Dann steht das Hochsprung-Finale mit Spank auf dem Programm. Jörg Wenig

0 Kommentare

Neuester Kommentar