Sport : Der andere Weg eines Sprinters

Jason Gardener gewinnt den Titel über 60 Meter bei der Hallen-WM

Jörg Wenig

Budapest. Größer könnten die Unterschiede kaum sein zwischen den beiden britischen Sprintern Jason Gardener und Dwain Chambers. Der 83 Kilogramm schwere Chambers wirkt schon wegen seiner Statur dominierend. Gardener wiegt 13 Kilogramm weniger, er präsentiert sich smart. Und noch eines fällt auf: Einer von beiden darf zurzeit nicht laufen, während der andere gewinnt. Im vorigen Sommer des Dopingmittels THG überführt, wurde Dwain Chambers für zwei Jahre gesperrt. Nichts dergleichen bei Jason Gardener, der bei der Hallen-Weltmeisterschaft in Budapest den größten Erfolg seiner Karriere feierte: Der 28-Jährige gewann Gold über 60 Meter in 6,49 Sekunden. Zum Fall Chambers und THG-Doping sagt Jason Gardener: „Ich habe das Gefühl, dass die Voraussetzungen jetzt für alle gleich sind.“

Gardener hofft, dass Athleten geschnappt werden, die dopen. „Der Sport sendet das richtige Signal: Wenn du dopst, wirst du überführt.“ Doch es ist nicht nur die neue Chancengleichheit, die Gardener Gold einbrachte. Seit einigen Jahren gehört er zu der größeren Gruppe britischer Weltklassesprinter, die im Sog der Erfolge von Linford Christie, dem 100-m-Olympiasieger von 1992, in die Weltklasse vorrückten. Interessant ist, dass die Briten nicht zusammen trainieren, sondern jeder seinen eigenen Trainer hat.

Chambers machte vor gut einem Jahr den wahrscheinlich fatalen Schritt, sich dem russischen Coach Remy Korchemny anzuschließen. Der Russe, der in den USA arbeitet, soll eine der zentralen Figuren in dem THG-Skandal sein. Auch Gardener wechselte zur gleichen Zeit den Trainer, ging aber einen ganz anderen Weg. Er trainiert jetzt bei Malcolm Arnold. Der Brite betreute schon den 400-m- Hürdenläufer John Akii-Bua aus Uganda, der 1972 bei Olympia in der Weltrekordzeit von 47,82 Sekunden gewann. Gardener selbst stand schon mehrfach an der Schwelle zur Weltspitze. Mit einer 100-m-Bestzeit von 9,98 Sekunden ist er einer von drei Europäern, die unter zehn Sekunden liefen. Das schaffte er 1999, doch immer wieder stoppten ihn Verletzungen. Aufgrund eines veränderten Trainings ist er seine Rückenprobleme losgeworden. „Ich bin sicher, dass ich unter Malcolm meine maximale Leistungs erreichen kann“, sagt Gardener. Der WM-Titel gibt ihm vor allem Selbstvertrauen. „Es war sehr wichtig für mich, dass ich als Nummer eins nach Budapest gekommen bin und gegen die Amerikaner gewonnen habe.“

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