Sport : Der Anfang aller Täume

Claus Vetter

Die Anzeigetafel im Sportforum Hohenschönhausen gab um halb zehn die Fakten preis: 60 Minuten vorbei, 1:3 - mit der Schlusssirene des Spiels gegen die Mannheimer Adler am Donnerstag war für den EHC Eisbären die Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) beendet. Den Schock hatten die Berliner Spieler noch nicht verdaut, da fingen die Fans schon an zu feiern.

Der Außenseiter EHC Eisbären hatte den Favoriten im Viertelfinale der Play-offs in Bedrängnis gebracht und schied trotzdem aus. Deshalb befanden sich die Berliner nach ihrer dritten Niederlage im vierten Spiel der Serie in einem Dilemma. Wie soll man sich über das Erreichte freuen, wenn es mit einem Negativerlebnis endet? Im Fußball kann ein Klub Fünfter werden und sich über die Teilnahme am Uefa-Cup freuen, im Eishockey ist das unmöglich.

Über die gesamte Serie betrachtet waren die Eisbären nicht die schlechtere Mannschaft. Die Berliner hatten ausgerechnet die Partie gewonnen, in der Mannheim überlegen war: Dem 3:2 im ersten Spiel folgten eine unglückliche Heimniederlage und ein verlorenes Penaltyschießen in Mannheim. Und Donnerstag erzielten die Adler erst vier Minuten vor Ende das vorentscheidende 2:1.

"Wir haben versucht, eine sehr gute Mannschaft zu schlagen", sagte Pierre Pagé. Der Trainer der Eisbären wusste, warum die Eisbären gescheitert sind. "Wir sind wegen unserer Auswärtsstärke in die Play-offs eingezogen und wegen unserer Heimschwäche ausgeschieden. Und trotzdem, ich kann in den Spiegel schauen. Wir haben alles getan, was wir tun konnten." Das lässt sich nicht bestreiten. Die Serie gegen die Adler war das Attraktivste, was die Eisbären ihren Fans seit langer Zeit geboten haben. Nach zweijähriger Abstinenz in der Meisterschaftsrunde wurde das Saisonziel mit der Teilnahme an den Play-offs erfüllt.

Dass darüber hinaus nichts mehr ging, war schließlich realistisch. Die Kritiker konnte es am Donnerstag nicht besänftigen. Manager Peter John Lee wurde nicht für seine erfolgreiche Verpflichtungspolitik gelobt, sondern von ein paar Fans ausgebuht. Der Umstand, dass Lee zusammen gute Spieler wie Torhüter Richard Shulmistra, Stürmer David Roberts oder Verteidiger Keith Aldridge nach Berlin geholt und deren Verträge schon verlängert hat, interessierte nicht. Die Anhänger protestierten, dass Marc Fortier die Eisbären verlässt. Der Publikumsliebling musste noch lange nach Spielschluss allein seine Kringel vor den feiernden Fans drehen.

Die Klubführung wollte dem Kanadier nicht den gewünschten Zwei-Jahres-Vertrag anbieten. Fortier ist immerhin schon 36 Jahre alt. "Sicher ist das für mich hart", sagte er, "aber so ist das Geschäft. Ich akzeptiere es, denn ich will nach sechs Jahren bei den Eisbären nicht im Zorn gehen." Warum auch, die Saison war für Fortier und seine Mannschaft gemessen an den Vorausetzungen ein Erfolg. Schließlich sind die Berliner in der DEL eine eher kleine Nummer. Mannheim hat zweimal so viel Geld pro Saison zur Verfügung wie die Eisbären. Der Etat des Meisters grenzt fast an zweistellige Millionenhöhe - in Euro. Auch in anderer Hinsicht sind die Eisbären im Nachteil: 10 000 Zuschauer haben die beiden Heimspiele der Berliner im Viertelfinale im viel zu kleinen Wellblechpalast verfolgt. Eine Besucheranzahl, bei der sie in Köln wohl umgehend das Eishockey abgeschafft hätten. Dort war man schon unzufrieden, als im Viertelfinale gegen Krefeld nur 15 000 Zuschauer in der Kölnarena waren.

Von solchen Vorraussetzungen träumen die Eisbären momentan noch. Aber die Zukunft kann sie bringen. Wenn erst einmal die geplante Arena am Ostbahnhof fertiggestellt ist, ist der Zeitpunkt nicht mehr fern, an dem der EHC um den Titel mitspielen könnte. In dieser Saison war es noch nicht so weit.

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