Sport : Der Anführer

Albas Basketballer haben sich als Team gefunden – und Gerald Brown dirigiert nun das Spiel

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Leider gebe es keinen Michael Jordan in Berlin, beklagt sich Gerald Brown. „Aber eigentlich macht das gar nichts“, sagt der Spielmacher von Alba Berlin. „Dafür haben wir nämlich eine andere Stärke: Wir verfügen über einen sehr ausgeglichenen Kader.“ Einen herausragenden Spieler wie es Anfang der Neunzigerjahre Michael Jordan bei den Chicago Bulls war, gibt es bei Alba nicht. Zumindest nicht permanent. Nur selten entscheidet ein Spieler zwei Begegnungen durch überragende Leistungen hintereinander. Das macht die Berliner für ihre Gegner schwer berechenbar.

Zurzeit ist es Gerald Brown, der bei Alba herausragt. Am Samstagabend, im dritten Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft gegen EnBW Ludwigsburg in der Max-Schmeling-Halle, machte der seit Saisonbeginn in Berlin spielende Brown sein vielleicht bestes Spiel für Alba. Sein Team gewann 98:85 und steht damit im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Brown erzielte 22 Punkte, war bester Werfer des Spiels. Dazu klaute der US-Amerikaner den Ludwigsburgern zweimal den Ball, gab sechs Pässe zu direkten Korberfolgen und verlor kein einziges Mal den Ball. Überragende Werte für einen Spielmacher. „Er ist unser Anführer in der Offensive“, sagt Albas Trainer Henrik Rödl.

Das ist Brown allerdings noch nicht so lange. Der 29-Jährige hatte extreme Anlaufschwierigkeiten, fand im ersten Drittel der Saison nicht zu seinem Spiel. Dann wurde Henrik Rödl Trainer – und Brown besser. „Unter Rödl gibt es mehr Spielzüge, die mich einschließen“, sagt Brown. Überragend spielt der US-Amerikaner aber erst seit kurzem. Mit 52 Punkten ist er hinter dem starken Center Jovo Stanojevic zweitbester Werfer in den Play-offs. „Ich fühle mich momentan sehr gut“, sagt er.

Nach den drei Siegen gegen Ludwigsburg haben die Berliner nun eine Woche Zeit, um sich auf das Halbfinale vorzubereiten. Am Sonntag spielen die Berliner in der Max-Schmeling-Halle gegen Frankfurt oder Quakenbrück. „So eine lange Pause hat gute und schlechte Seiten“, sagt Teammanager Henning Harnisch. „Wir werden gut ausgeruht sein, dafür sind wir dann nicht mehr im Spielrhythmus. Frankfurt hat vorgemacht, wie man trotz wenig Ruhe Meister wird.“ Die Opel Skyliners marschierten im vergangenen Jahr mit der maximalen Anzahl von Spielen durch die Play-offs, die nach dem Modus „Best of five“ ausgetragen werden. Im Viertelfinale, Halbfinale und im Finale spielten sie jeweils fünf Mal – und wurden am Ende Deutscher Meister. „Aber es ist trotzdem gut, dass wir gegen Ludwigsburg nicht an unsere absolute Grenze gehen mussten “, sagt Harnisch. „Das wird im Halbfinale mit Sicherheit anders.“

Das glaubt auch Gerald Brown. „Es wird eine ganz andere Serie, als es die gegen Ludwigsburg war.“ Trotzdem werde sich sein Team durchsetzen. Warum? „Weil wir im Laufe der Saison eine verschworene Truppe mit nur einem Ziel geworden sind: Deutscher Meister zu werden.“ Die Schwierigkeiten, die seine Mannschaft in der Saison durchmachen musste, hätten die Mannschaft noch enger zusammengebracht. Im Dezember des vergangenen Jahres warf eine Grippewelle das Team aus der Bahn, es folgte das Ausscheiden aus dem Uleb-Cup, der Trainerwechsel und die Dopingsperre von Michael Wright. „Das alles hat uns nur noch stärker gemacht“, sagt er.

Ob sie auch stark genug sein werden, um gegen einen Michael Jordan zu bestehen, wird sich vielleicht vom kommenden Sonntag an zeigen: Bei den Artland Dragons Quakenbrück spielt auch ein Michael Jordan. Im Viertelfinale zwischen den Dragons und Frankfurt steht es 1:2.

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