Sport : Der Angriff, der in der Abwehr steckt Owomoyela und Hitzlsperger neu entdeckt

Michael Rosentritt

Düsseldorf - José Pekerman unterbricht auf dem Podium seine Analyse zum Spiel, als zwei Stühle neben ihm Patrick Owomoyela Platz nimmt. Argentiniens Nationaltrainer blickt hinüber zu diesem 25-jährigen Burschen. Und noch einmal. Dazu muss man wissen, dass Señor Pekerman ein weit gereister wie hoch dekorierter Fachmann im sechsten Lebensjahrzehnt ist und Owomoyela ansonsten bei Arminia Bielefeld kickt.

Der Grund für Pekermans Wertschätzung war auf dem Rasen der Düsseldorfer Multifunktionsarena zu bestaunen. Der Mittelfeldspieler Patrick Owomoyela spielte in der deutschen Vierer-Abwehrkette rechts außen. Er interpretierte diese Rolle so gut, dass es Pekerman beeindruckte. Für gewöhnlich gelten argentinische Abwehrspieler als die besten der Welt. Und dann kommt einer aus Bielefeld und stellt alle in den Schatten. Owomoyela ist kopfballstark, schnell und zweikampfhart. Er erfüllt idealtypisch das Anforderungsprofil Jürgen Klinsmanns. Der Sohn eines Nigerianers und einer Deutschen ist ein Typ, er ist selbstbewusst, dynamisch und offen für Neues. Er entspricht so gar nicht den Konventionen. So wie es Klinsmann nicht interessiert, was man im deutschen Fußball zu tun und zu lassen hat. Klinsmann lässt sogar noch einen zweiten jungen Nicht-Verteidiger in der Verteidigung spielen. Thomas Hitzlsperger spielt als Pendant zu Owomoyela ganz links in der Kette.

Im Gegensatz zum Abwehrspieler alter Prägung, der ein Tor-Verhinderer ist, setzt Klinsmann in der Verteidigung auf das agierende statt reagierende Element. Der Bundestrainer will spielstarke, ballsichere Spieler für die Außenbahnen. Owomoyela und Hitzlsperger (22) sind technisch so gut, dass sie Spielsituationen schnell erfassen und bei Ballbesitz sofort den Gegenzug initiieren können. Beide haben einen guten ersten Pass, der das eigene Aufbauspiel geschickt einleiten und so einen gefährlich Angriff eröffnen kann. Das ist nötig für ein schnelles, variables Offensivspiel, wie es Klinsmann vorschwebt. Wenn der erste Pass schon ängstlich oder umständlich ist, verringert sich das Tempo des Spiels. Außerdem ist das für den Gegner schnell vorhersehbar.

Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, freute sich über die neue Phantasie der deutschen Elf. „Wir wollten uns zeigen, und das taten wir eindrucksvoll.“ Junge Leute, die mit Begeisterung spielen, „sind uns lieber als abgeklärte, auch wenn ich weiß, dass sie noch lernen müssen“.

Patrick Owomoyela kennt man jetzt in ganz Argentinien und ein Stückchen darüber hinaus. Als Pekerman das Podium verlässt, gibt er Owomoyela die Hand – und zwar nur ihm.

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