Sport : Der Aufsteiger bleibt oben

Der VfL Bochum gewinnt sensationell 4:2 in Leverkusen und verteidigt die Tabellenführung

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Von Erik Eggers

Leverkusen. Dem Isländer Thordur Gudjonsson war es ein Vergnügen gewesen. „Es macht Spaß, gegen solche Spieler wie Bastürk, Neuville und Schneider anzutreten“, sagte der Bochumer Mittelfeldspieler nach einem wahrlich berauschenden 4:2-Auswärtssieg des ungewohnten Tabellenführers in der Leverkusener Bayarena. Gudjonsson selbst hatte den 1:0-Führungstreffer Jan Simaks bereits wenige Minuten später ausgeglichen. Nach dem 2:1 durch Wosz bereitete er auch das 3:1 durch den Kopfball von Fahrenhorst mit einem gut getimten Freistoß vor. Dem 4:1 durch Christiansen konnte Leverkusen trotz erkennbarer Bemühungen nur den ersten Bundesligatreffer vom Brasilianer Franca entgegensetzen. Eine bittere Lehrstunde für den deutschen Vizemeister. Erteilt vom Aufsteiger VfL Bochum.

Doch nicht nur das nackte Ergebnis darf als Sensation gewertet werden. Denn den technischen Stil, mit dem der Aufsteiger den Gastgeber demontierte, hatten in letzter Zeit ja immer die arrivierten Kräfte aus Leverkusen für sich beansprucht. Bleibt die Frage, ob Bochum dieses Niveau dauerhaft halten kann. „Warum nicht“, antwortete Gudjonsson dreist, „wir hauen die einfach jetzt alle weg." Der nächste Gegner der Bochumer ist übrigens der Meister aus Dortmund.

Auch Thomas Christiansen grinste frech die Journalisten an. „Ja, wir haben ganz gut gespielt“, diktierte er ihnen in die Blöcke, „wir haben gezeigt, dass wir gegen gute Mannschaften bestehen können." Natürlich war das eine unerhörte Untertreibung – auch seiner eigenen Leistung. Denn die einzige Bochumer Spitze hatte nicht nur zwei Treffer vorbereitet, der Däne mit dem spanischen Pass hatte nach einer Stunde Spielzeit auch zum entscheidenden 4:1 getroffen.

Die Art und Weise, wie dieses Tor zustande gekommen war, offenbarte das ganze Dilemma des Leverkusener Spiels an diesem Tag. Der spritzige Delron Buckley nahm sich an der rechten Außenbahn einfach den Ball und umdribbelte Jan Simak und Hanno Baltisch wie zwei unterdurchschnittliche Kreisligaspieler. Beide Akteure liefen nicht einmal energisch hinterher, sodass die Bochumer Angreifer in aller Seelenruhe eine 3:1-Überzahlsituation ausspielen konnten. Eine Täuschung von Christiansen vor Butt, und schon öffnete sich das Leverkusener Tor wie von allein.

Der deprimierte Klaus Toppmöller, sonst ein Meister des eloquenten Wortes, fand kurz nach dem Spiel keine griffige Erklärung. „Wir waren desolat organisiert“, sagte der Leverkusener Trainer, seine Mannschaft habe nach dem frühen Ausgleich Laufbereitschaft und Zweikampfverhalten vermissen lassen. Zusätzlich verzweifelt war auch die Offensive der Heimmannschaft. Immer wieder scheiterte sie an der ausgezeichnet eingestellten Abseitsfalle der Gäste, wie später Bochums Trainer Peter Neururer mit großer Zufriedenheit registrierte. Ansonsten tat Neururer jedoch alles, um die Begeisterung zu bremsen: „Für uns hat sich nichts geändert.“ In der Tat, Bochum ist immer noch Tabellenführer.

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