Sport : Der Aufstieg und sein Preis

Dresden will heute in die Zweite Liga

von
Foto: dpa
Foto: dpaFoto: dpa

Selten hat Robert Koch ein einfacheres Tor erzielt. Der Mittelfeldspieler des Fußball-Drittligisten Dynamo Dresden brauchte nur noch den Fuß hinzuhalten, dann brach in der Dresdener Arena riesiger Jubel aus. Koch hatte soeben im Relegationshinspiel gegen den VfL Osnabrück zum 1:1-Ausgleich getroffen, doch es war weniger Kochs Abschluss als die geniale Vorarbeit von Alexander Esswein und Dani Schahin, welche die Fans zu Begeisterungsstürmen hinriss. Esswein hatte die Osnabrücker Abwehr mit einem herrlichen Pass auf Schahin geöffnet, im Anschluss bediente dieser mit einer präzisen Hereingabe den heranstürmenden Koch.

Es ist gut möglich, dass dies eine der letzten erfolgreichen Aktionen von Esswein und Schahin im Trikot von Dynamo Dresden war. Beim heutigen Relegationsrückspiel in Osnabrück (20.30 Uhr, live bei NDR und MDR) wird das Duo zum letzten Mal für Dresden auflaufen. Esswein wird zum 1. FC Nürnberg wechseln, Schahin ist nur von Greuther Fürth ausgeliehen und muss zum Zweitligaklub zurückkehren. Das hat Fürths Präsident Helmut Hack bereits angekündigt. Besonders ärgerlich aus Dresdener Sicht: Es heißt, man hätte Schahin im Winter für 200 000 Euro verpflichten können. Doch der Klub zögerte, und nun ist der Offensivspieler ein Vielfaches wert.

Esswein und Schahin haben großen Anteil daran, dass Dresden mit einem grandiosen Schlussspurt inklusive 16 Punkten aus sechs Spielen noch den dritten Platz in der Dritten Liga erreichte und heute in die Zweite Liga aufsteigen kann. Winterzugang Schahin erzielte in zwölf Spielen für Dynamo neun Treffer, Esswein traf sogar 17 Mal. Das Duo erzielte damit fast die Hälfte aller Dresdener Saisontore.

Hat es angesichts dieser Zahlen überhaupt einen Sinn, ohne Schahin und Esswein aufzusteigen? „Natürlich“, sagt Dresdens Sportdirektor Steffen Menze. „Wenn wir aufsteigen, würden sich ganz neue finanzielle Möglichkeiten ergeben, und wir könnten gleichwertigen Ersatz verpflichten. Problematisch wird es nur, wenn wir nicht aufsteigen.“

Trotz der finanziell prekären Lage des mit rund acht Millionen Euro verschuldeten Klubs versucht Dynamos Trainer Ralf Loose jeglichen Druck von seiner Mannschaft fernzuhalten. Nach dem 1:1 im Hinspiel räumte Loose dem Team nur noch „eine kleine Chance“ auf den Aufstieg ein. An mangelnder Unterstützung durch die Fans wird es aber nicht liegen, sollte Dynamo den Aufstieg verpassen. Die dem Klub für das Spiel in Osnabrück zur Verfügung stehenden 1830 Tickets waren in wenigen Stunden vergriffen. Diejenigen, die keine Karten mehr erhalten haben, können sich das Spiel auf einer Großbildleinwand in der Dresdener Arena ansehen. Ähnliche Begeisterung wie in Dresden herrscht auch in Osnabrück. VfL-Trainer Heiko Flottmann freut sich schon auf die Atmosphäre in der ausverkauften Osnabrücker Arena. „Unsere Fans werden alles tun, damit wir in der Zweiten Liga bleiben“, sagt Flottmann.

Alexander Esswein und Dani Schahin wollen das verhindern.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben