Sport : Der Aufstieg

Die Fans von St. Pauli und Union nähern sich an

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Freundschaften zwischen Fußballfans verschiedener Vereine sind eine schwierige Angelegenheit. Insbesondere dann, wenn die Vereine in der selben Liga bei Punktspielen aufeinander treffen. Zwischen dem 1. FC Union und dem FC St. Pauli besteht der Ansatz einer Freundschaft. Zumindest die Funktionäre der beiden Regionalligisten sind davon überzeugt. Bei den Fans ist sie umstritten. „Der Begriff Freundschaft geht zu weit, Sympathie ist das passendere Wort für unsere Beziehung“, sagt Heiko Schlesselmann. Der Fan-Beauftragte des FC St. Pauli meint, dass „wir zwar viele Gemeinsamkeiten mit den Berlinern haben, aber politisch zu unterschiedlich für eine Freundschaft sind“. Die Hamburger schätzen sich eher als links ein, viele Unioner als unpolitisch.

Die Gemeinsamkeiten der Fans sind dennoch im Stadion zu spüren: Die Anhänger beider Klubs gehen humorvoll mit den vielen Niederlagen ihrer Teams um. Außerdem müssen beide Vereine sich neben großen Lokalrivalen aus der Ersten Bundesliga behaupten. In Berlin ist Hertha BSC die erste Mannschaft im Fußball, in Hamburg der HSV.

Entdeckt wurden die Gemeinsamkeiten vor zwei Jahren, beim Aufeinandertreffen in der Zweiten Liga. Vor und nach dem Spiel tranken die Fans beider Vereine Bier miteinander. Seitdem helfen sich die Klubs gegenseitig: Mit einem Benefizspiel im Juni unterstützten die Hanseaten die Lizenzrettungskampagne der Köpenicker. Im Gegenzug spendeten Union-Fans Geld, als die Hamburger finanziell angeschlagen waren. Seitdem sprechen die Klubführungen von ausgezeichneten Beziehungen. Eine innige Fan-Freundschaft, wie sie etwa zwischen den Anhängern von Schalke 04 und dem 1. FC Nürnberg besteht, wird sich aber nicht entwickeln. Das liegt vor allem an der linkspolitischen Gesinnung der Hamburger Fans. „Viele Unioner sind in Ordnung, aber so lange in der Alten Försterei auch Rechtsradikale herumlaufen, sehe ich keine Chance für eine echte Freundschaft“, sagt Schlesselmann.

Der Fanbeauftragte des 1. FC Union, Sven Schlensog, bezeichnet die Berliner Fans als weitestgehend unpolitisch. „Vor dem Stadion haben die NPD und die PDS mal Flyer verteilt. Beide Parteien wurden von uns fortgejagt.“

Heute spielen beide Vereine um 19.30 Uhr am Millerntor gegeneinander. Fußballerisch ist das Duell von eher bescheidenem Wert: St. Pauli ist lediglich 16. der Regionalliga Nord, Union Zwölfter. Dennoch werden 18 000 Fans in Hamburg erwartet, darunter 3000 aus Berlin. Die Fans wollen gemeinsam eine Party feiern – unabhängig vom Erfolg ihrer Mannschaft.

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