Sport : Der Aushilfsretter

Trainer Hans Meyer bewahrte Hertha BSC vor dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga

Stefan Hermanns

Hans Meyer, der Fußballtrainer, hat den Einfluss eines Fußballtrainers immer für völlig überschätzt gehalten. Mag sein, dass dies so ist, wenn ein Trainer mal wieder für alles Schlechte verantwortlich gemacht wird. Aber Hans Meyer ist das beste Gegenbeispiel.

Ohne ihn würde Hertha BSC vermutlich nicht mehr in der Bundesliga spielen. Als Meyer im Januar seinen Job als Aushilfstrainer in Berlin antrat, hatte die konfuse Mannschaft aus 17 Spielen gerade 13 Punkte geholt, zwei Trainer demoralisiert und überhaupt wenig Anlass zu Hoffnung gegeben. Unter Meyer aber schaffte Hertha sogar vorzeitig den Klassenerhalt, und als es vollbracht war, zogen die Spieler T-Shirts an, auf denen „Danke, Hans“ stand.

Dass Manager Dieter Hoeneß den Vorruheständler zu einem befristeten Engagement überreden konnte, war seine beste Personalentscheidung seit langem. Schon an seinem ersten Arbeitstag in Berlin wurde Meyer wie der Retter gefeiert. Diese Art des Personenkults ist dem 62-Jährigen stets suspekt gewesen, und dass die Rettung nicht mit guter Laune alleine zu bewerkstelligen sein würde, hat Meyer im ersten Spiel bei Werder Bremen gemerkt. Hertha verlor 0:4, und Meyer zweifelte, ob er seine Mission wirklich zu einem erfolgreichen Ende würde bringen können: „Du hattest nur 13 Punkte aus der Hinrunde und ein weiteres Spiel abgegeben, das Torverhältnis ist auch noch grausamer geworden. Und jeder draußen fragt sich: Hat der denn überhaupt was gemacht?“

Ja, Hans Meyer hat Hertha aus der Lethargie gerissen und eine leidlich funktionierende Mannschaft geformt. Wenn Meyer gewollt hätte, hätte er noch viel länger bei Hertha bleiben können. Aber er wollte nicht. Jetzt beobachtet er für die Berliner den europäischen Fußballmarkt, lässt das Deutsche Sportfernsehen an seinem Fachwissen teilhaben und freut sich immer noch ein bisschen darüber, dass alle Welt glaubt, er würde in seinem Garten in Bad Hersfeld Rosen züchten. Die Geschichte geht auf ein Interview mit dem „Neuen Deutschland“ zurück. Vor kurzem hat Hans Meyer den Journalisten, der damals seine Ironie nicht verstanden hat, wiedergetroffen und ihm geklagt, dass er dauernd Rosen geschickt bekomme: „Hättest du nicht schreiben können, dass ich Goldmünzen sammle?“

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