Sport : Der Ball-Eroberer

Warum Pal Dardai bei Hertha wieder gefragt ist

Stefan Hermanns[Odense]

Pal Dardai hat eine grandiose Weltmeisterschaft hinter sich. Das hört sich vielleicht ein wenig seltsam an, weil Dardai Ungar ist und Ungarn gar nicht mitgespielt hat bei der Fußball-WM in Deutschland. Dardai zählt trotzdem zu den Gewinnern des Turniers. Die WM hat ihm erheblich geholfen beim Kampf um einen Stammplatz bei Hertha BSC. So ein Turnier ist nämlich immer so etwas wie eine Modenschau des internationalen Fußballs, ein Überblick über die aktuellen Trends der Branche, und Dardai, Herthas defensiver Mittelfeldspieler, ist mit seinem Stil zurzeit genau à la mode.

Die WM hat die Bedeutung des defensiven Mittelfeldspielers, des sogenannten Sechsers, in den Fokus gerückt, und niemand hat davon so sehr profitiert wie Torsten Frings. Dass der Bremer auf dieser sensiblen Position spielen würde, wurde anfangs mit einer gewissen Skepsis gesehen, doch dann hat Frings mit seiner aggressiven Interpretation der Rolle in Deutschland stilbildend gewirkt. „Frings hat eine sehr gute WM gespielt“, sagt Dardai. Was Frings kann, kann auch Dardai, und was Frings nicht kann, kann auch Dardai nicht. Beide sind keine großen Strategen wie der Italiener Pirlo oder der Franzose Vieira, keine geometrischen Spieler, wie das die Italiener nennen, also Spieler, die das Feld vermessen und das Spiel ihrer Mannschaft strukturieren. Dardais Stil wäre, um in der Sprache der Mathematik zu bleiben, eher fraktal. Der Ungar entfaltet mit kleinen Schritten große Wirkung, seine Stärke liegt in der Balleroberung. „Ich bin jemand, der sich den Ball holt und versucht, sofort nach vorne zu spielen“, sagt Dardai.

Die Moden wechseln auch im Fußball schneller als man denkt. Zwei Jahre lang hat Dardai bei Hertha so gut wie gar nicht gespielt. Am Ende der vorigen Saison hat er über sein Verhältnis zu Trainer Falko Götz gesagt: „Mein Stil passt ihm nicht.“ Vielleicht war das damals so, aber inzwischen hat sich Götz’ ästhetisches Empfinden geändert. „Es ist ja nicht so, dass ich auf einmal das Fußballspielen gelernt habe“, sagt Dardai. Er spielt auch mit 30 noch so, wie er mit 28 gespielt hat, aber die Wahrnehmung ist eine andere geworden. „Pal ist eminent wichtig für uns“, sagt Götz. Er habe viel Disziplin, bringe viel Aggressivität ins Spiel, sei vorbildlich in der Zweikampfführung und könne vor allem die jungen Spieler an seiner Seite anleiten.

In dieser Saison stand Dardai immer in der Startelf, und was Hertha ohne den Ungar fehlt, war beim 2:2 im Uefa-Cup-Hinspiel gegen Odense BK zu sehen. Ohne ihn fielen zwei Gegentore, so viele wie in den fünf Bundesligaspielen mit Dardai. „Zu fehlerhaft und zu gelassen in den Zweikämpfen“ hat Götz sein Team vor zwei Wochen erlebt. Mit Dardais Rückkehr in die Startelf verbindet sich die Hoffnung, dass solche Nachlässigkeiten heute im Rückspiel nicht auftreten. Denn aller Wahrscheinlichkeit nach muss Hertha in Odense gewinnen, um weiterzukommen. „Gerade weil wir offensiv spielen wollen, brauchen wir in Sachen Sicherheit und Organisation eine hohe Qualität“, sagt Götz.

Wenn Dick van Burik spielen sollte, wird Herthas Mannschaft in Odense taktisch aussehen wie am Wochenende in Mainz: Mit Sofian Chahed rückt ein zweiter defensiver Mann an Dardais Seite. „Das ist schon eine Umstellung, weil man weniger Platz hat“, sagt Pal Dardai. „Aber es funktioniert immer besser mit Sofian.“ Im Trend der Zeit liegt es sowieso.

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